frapalymo, deutsch-italiano, impuls vier

Hervorgehoben

eine intensive, schwierige, zeitaufwendige aufgabe – und so faszinierend

heute bei frau paulchens lyrikwoche https://paulchenbloggt.de/2019/02/04/frapalywo-geborgte-worte-impuls-fuer-tag-4/

wir schreiben ein erasure- gedicht:„schreibt ein erasure gedicht: streicht also all das weg, das ihr nicht nutzen wollt bzw. behaltet nur die wörter, die ihr haben wollt und verändert dabei nicht die reihenfolge. material für euren text ist das gedicht „erklär mir, liebe“ von ingeborg bachmann.

per oggi un compito intenso, difficile e che richiede un bel po‘ di tempo. ma è molto affascinante. si scrive una cosiddetta ‚poesia erasure‘: viene cancellato tutto ciò che non si vuole utilizzare, vuol dire di tenere solo le parole che si vogliano avere per il proprio testo – non variando la sequenza originale. il materiale si basa su un’opera di ingeborg bachmann. presso seguente link ho trovato la versione in lingua tedesca ed italiana.

 

Spiegami, Amore

Lieve il tuo cappello si leva, saluta, fluttua nel vento,

il tuo capo scoperto ha incantato le nuvole,

il tuo cuore ha da fare altrove,

la tua bocca s’annette  nuovi idiomi,

l’erba tremolina si propaga nei campi,

Di aster, soffiando, l’estate attizza e spegne il fuoco,

e tu sollevi il volto accecato dai fiocchi,

ridi e piangi e a causa tua soccombi,

cos’altro mai può accaderti –

 

Spiegami, Amore!

 

Il pavone, in solenne stupore, fa la ruota,

la colomba rialza il suo bavero di penne,

satura del tubare, si distende l’aria,

grida il maschio dell’anatra, di miele selvatico s’impregna tutto il paese, anche nel parco ben disposto ogni aiuola ha cinto

una polvere d’oro.

 

Rosso si fa il pesce, supera il banco

e si tuffa tra grotte nel letto di coralli.

Su musica di sabbia argentea timido danza lo scorpione,

da lungi il coleottero fiuta la maestosa;

avessi questo suo senso, sentirei anch’io

sotto la sua corazza il bagliore di ali

e m’incamminerei verso il lontano cespuglio di fragole!

Spiegami, Amore!

 

L’acqua sa parlare,

l’onda prende l’onda per mano,

nella vigna s’ingrossa l’uva, si spacca e cade.

E quanto priva di malizia la chiocciola lascia la sua casa!

 

Una pietra sa come ammorbidirne un’altra!

 

Spiegami, Amore, ciò che non so spiegare:

dovrei passare questo breve orribile tempo

soltanto con pensieri e, caso isolato,

non conoscere amore né far nulla che amore sia?

Si è costretti a pensare? Non si avverte la mancanza di chi pensa?

 

Tu dici: un altro spirito conta su di lui.

Non spiegarmi nulla. Vedo la salamandra

attraversare ogni fuoco.

Non un fremito la scuote e nulla le dà dolore.

(Traduzione di Anna Maria Curci)

 

Erklär mir, Liebe

Dein Hut lüftet sich leis, grüßt, schwebt im Wind,

dein unbedeckter Kopf hat’s Wolken angetan,

dein Herz hat anderswo zu tun,

dein Mund verleibt sich neue Sprachen ein,

das Zittergras im Land nimmt überhand,

Sternblumen bläst der Sommer an und aus,

von Flocken blind erhebst du dein Gesicht,

du lachst und weinst und gehst an dir zugrund,

was soll dir noch geschehen –

 

Erklär mir, Liebe!

 

Der Pfau, in feierlichem Staunen, schlägt sein Rad,

die Taube schlägt den Federkragen hoch,

vom Gurren überfüllt, dehnt sich die Luft,

der Entrich schreit, vom wilden Honig nimmt

das ganze Land, auch im gesetzten Park

hat jedes Beet ein goldner Staub umsäumt.

 

Der Fisch errötet, überholt den Schwarm

und stürzt durch Grotten ins Korallenbett.

Zur Silbersandmusik tanzt scheu der Skorpion.

Der Käfer riecht die Herrlichste von weit;

hätt ich nur seinen Sinn, ich fühlte auch,

daß Flügel unter ihrem Panzer schimmern,

und nähm den Weg zum fernen Erdbeerstrauch!

 

Erklär mir, Liebe!

 

Wasser weiß zu reden,

die Welle nimmt die Welle an der Hand,

im Weinberg schwillt die Traube, springt und fällt.

So arglos tritt die Schnecke aus dem Haus!

 

Ein Stein weiß einen andern zu erweichen!

 

Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann:

sollt ich die kurze schauerliche Zeit

nur mit Gedanken Umgang haben und allein

nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun?

Muß einer denken? Wird er nicht vermißt?

 

Du sagst: es zählt ein andrer Geist auf ihn …

Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander

durch jedes Feuer gehen.

Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

 

Ingeborg Bachmann

 

Hier nun meine beiden Werke, sie weichen aus sprachlich-grammatikalischen Gründen leicht voneinander ab.

leis im Wind Wolken

das Zittergras bläst Flocken

du lachst mir Luft von weit zu

im weinberg

du sagst

erklär mir nichts

 

lieve nel vento le nuvole

l’erba tremolina soffiando fuoco

e tu ridi

l’aria sa parlare

nella vigna

tu dici non spiegarmi nulla

Bunter Abstecher zum Comer See

Der herrlich intensive, kreative und erfolgreiche  #lyrimo ist vorbei. Ich habe auf dem blog nichts Weihnachtliches vorbereitet, aber ihr findet heute beim #lyrimo-Adventskalender ein Werk von mir im Netz/bei Twitter.

Und ihr bekommt nun ein bisschen italiensiche Herbstfarben ab und eventuell Heimweh nach Wärme, ist es doch ziemlich grau und kalt geworden!

Ende Oktober lud uns wunderbares Wetter zu einem letzten, herrlichen Ausflug an den Comer See ein. Wir waren  (mal wieder) in Bellano, genauer gesagt im ‚Orrido‘, einer Schlucht, und in Varenna, in der Ruine des ‚castello di Vezio‘; unterhaltsam für Familien sind dort besonders die harmlosen Schlossgespenster und die Falknerei.

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Blick in die Schlucht hinunter.

Zur Zeit kann man nur einen kleinen Teil des Rundweges wegen Schlechtwetter und kaputter Holzbohlen ablaufen. Es lohnt sich die interseite des Orridos im Blick zu behalten, denn die Holzstege, auf denen man den Rundweg macht, sollen repariert, sogar durch Glas, ersetzt werden.(Frühjahr 2020)

Bilder aus Vezio: ein atemberaubendes Panorama!

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Das ist das Fossil eines sogenannten Lariosuarus

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Sehr interessant und spooky: Ein Gespent und sein Schatten!

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Sonnenuntergangsstimmung

 

Randbemerkung: Meine persönlichen highlights in dieser Gegend sind: Menaggio und Loveno di Menaggio, Colico, das Kloster Piona, Varenna, das Strandbad in Mandello, Lecco und ’sein‘ Resegone-Berg mit Almen, auf die man u.a. mit einer Seilbahn fahren kann, der ‚parco Valentino‘, die Kieselstrände bei Oliveto,  Bellagio, die Zahnradbahn von Como hoch nach Brunate.

 

 

#lyrimo, november 2019, dreißigster impuls

 

der letzte impuls für den #lyrimo: „Briefgeheimnis“

 

Unsere Briefe 

wohnen in Nachttischschubladen. 

Faltiges Luftpostpapier 

aus dem letzten Jahrhundert.

Der Brief

wohnt in deiner  Nachttischschublade.

Mein

Nicht-Liebes-Brief

aus dem Sommer.

Geprochene Worte

hätten nicht fassen können

was ich dir anvertrauen wollte. 

 

#lyrimo, november 2019, neunundzwanzigster impuls

Wenn du die Worte

ins Freie ziehen läßt

finden sie ihren Weg zum

Wortwerk

Mit Lyrik schreibe ich das Dasein schön.

 

Mein Gedicht zum, schnief!, vorletzten Impuls, der „die überwiegende Schönheit aller Dinge oder 30 Tage“ lautete. Ich zitiere: „Die überwiegende Schönheit der Lyrik, der Poesie liegt in der Freude, die sie uns bereitet. Ein Jeder, eine Jede schreibt, wie es die tägliche Muse einflüstert; und alles ist gut.“

 

 

lyrimo, november 2019, siebenundzwanzigster impuls

 

schnell schnell presto,  in der bar ein espresso

mit oder ohne schwarz und corretto

Kaffe mit Kuchen um vier ist nicht ammesso

morgens lauer Milchkaffee mit cornetto

mit oder ohne schwarz und corretto

cheesecake mit boden aus biscotto

morgens lauer Milchkaffee mit cornetto

oder lieber leckeren zuccotto

chessecake mit boden aus biscotto

Kaffe mit Kuchen um vier ist nicht ammesso

oder lieber leckeren zuccotto

schnell schnell presto,  in der bar ein espresso

 

„Einladung zum Kaffee“ lautete der heutige impuls und ich verband… nein, also ich habe versucht, das gedicht auch  mit dem „Pantun“ zu verbinden.

#lyrimo, november 2019, dreiundzwanzigster impuls

sprachen gelernt und täglich parlare

da switchen synapsen

drehen durch müssen sich calmare.

hausaufgabenbetreuung in français

geht gerade noch gut

doch bei der ebook lektüre verliert das brain den mut.

gelesen wird Twains ‚a tramp abroad‘

was sich reimt  auf goldenrod.

wie schon erwähnt

da switchen synapsen

und bevor der leser nun gähnt:

rien ne va plus und aus die synapsensymphonü!

 

mein text zum heutigen #lyrimo-impuls

#lyrimo, november 2019, zweiundzwanzigster impuls

Limerick bei #lyrimo:

 

Am gestrigen Novembermorgen

hatte die Poetin ziemliche Sorgen:

Ein Limerickgedicht sollte her,

doch reimen fällt ihr ach so schwer!

„Vielleicht kann ich mir was von anderen borgen ?“

 

Das aber ist nicht fair-

und ihr Hirn blieb leer.

So tröstete sie sich mit Frühstücksbrei,

Kaffe und einem weichen Ei:

„Nur eine Schreibblockade, regulär!“

 

 

#lyrimo, november 2019, einundzwanzigster impuls

Unromantischer Grossstadtmorgen

 

Scheinwerfer

malen Glitzergelb

in die Pfütze vor der

Bushaltestelle.

Daneben ein Baum ohne Laub.

Mantsche aus dunkelgelbem Laub und Kippen

klebt auf Plexiglas.

Meine Schuhe heute lila.

Am Horizont eine blasse Sonne

und die Linie 227

oben gelb im Display.

Luftlinie sechseinhalb Kilometer

sechzig Minuten unzählbar

die Haltestellen.

Fassaden wechseln sich

hinter dem verschmierten Glas

gelb gelb grau rot orange hellgrün grau gelb gelb.

Es gibt viele gelbe Häuser in Italien.

Und auch gelbe Zebrastreifen.

Ausserdem ist gerade Alpenveilchensaison

auf den Balkonen. Erneut lila.

Jetzt steige ich um.

Die M1, die rote Linie.

 

Morgengelber #lyrimo-impuls.

 

 

 

#lyrimo, november 2019, zwanzigster impuls

Ständig lärmt was im Ohr

Handyweckerklingelton

Motoren durch die Stadt

Brummquietschgeheul

Leute und Schüler, Schüler und Leute

viel Gerede

FrageAntwortDialoge

Verkehrsmitteltüren zweimal die Woche

sonst das alte Auto

Weihnachtsmusik im Supermarktlautsprecher

der schwere Schlüsselbund

Kindergeschwätz und Mama hier und Mama dort

Nachmittagspausenkaffee mit Treppenhausgepolterbegleitung

Schleudergang in der Waschküche

in der Kochküche klappern die Teller und der Nudeltopf

Fussballübertragung Youtubemusik trotz der Wände links und rechts.

Haustierpfoten trippeln übers Schlafzimmerparkett

wirken beruhigend

das Umblättern von Buchseiten ist

ein sehr stilles Geräusch

 

 

‚laut/leise‘-Impuls beim #lyrimo

 

#lyrimo, november 2019, achtzehnter impuls

Nicht gestern, erst heute fühlte ich mich ‚ringelnatzig‘. Hier mein Gedicht zu einem lustigen Impuls bei #lyrimo 

 

 Ein (k)altes Stück Eisen steht

im Eck hinterm Wäscheberg

tief versteckt wie ein Zwerg.

Der Putze ist das Teil sehr verhasst

doch einmal pro Woche, montags, passt’s.

Bei Fernsehspots und einer Tasse Kaffee

da tut das Bügeln mit Dampf nimmer weh.

Nun endlich ist faltenlos das Hausherrn Hemd

er packt es, zieht sich an und geht fremd.