Agliate

Stünde diese Basilika in der Toskana oder in Ligurien, wäre sie mit Sicherheit eine gut besuchte Sehenswürdigkeit. Nun aber liegt die Santi Pietro e Paolo-Kirche weitab vom Massentourismus, in der Provinz Monza e della Brianza, die sich, eingequetscht zwischen Mailand und Lecco, befindet. Eine ziemlich liebliche Gegend. Na ja, vielleicht früher mal. Heute gibt es kleinere und grössere Städte mit ihrem Alltagsleben, viel mittelständische Industrie und noch viel mehr Strassen, die alle nach Mailand führen; vereinzelt und gut versteckt liegen dann nette Ausflugsziele wie Imbersago an der Adda oder Montevecchia, das auf einem Hügel thront und bei klarer Sicht ein tolles Panorama bietet. Oder eben dieses Kleinod.

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romanischer Kirchenbaustil, 10. Jahrhundert

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die Krypta

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besondere Bedeutung kommt dem Battistero, der Taufkapelle zu. Meine Tochter hat sogar im Kunstgeschichtunterricht davon gehoert, denn das Battistero hat neun Aussenwaende, eine ungewohnliche Zahl.

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man beachte das Taufbecken und die Fresken

Hinter der Basilika liegt ein kleiner Park, in dem man verweilen kann oder man setzt sich an den Fluss:

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wenige Meter hinter der Basilika fliesst der Lambro an naturbelassenen Ufern vorbei.

Im Dorf, es gehört zur Gemeinde Carate Brianza, trifft man noch auf die uralte und typische Wohnform dieser Gegend: ‚il cortile‘, das waren einfache, niedrige, kleine, jedoch mehrere (Bauern-)häuser, die dann zu grossen Vierecken zusammengebaut wurden und einen einzigen Innenhof, den cortile, teilten.

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Pilgerbilder

Es heisst, Glaube versetze Berge. Ich kann bezeugen, dass der Glaube Regenwolken vertreiben kann. Am Samstag hatten wir, die Meteorologen lagen völlig falsch, bestes Wetter! Hier kommen nun ein paar Bilder von der Freiluft-Messe, die der Papst Franziskus in Monza zelebriert hatte. Meine Familie und ich und eine Million Menschen nahmen teil.

Um halb zehn trafen wir uns mit den anderen Pilgern unserer Gemeinde, um gemeinsam in den Park von Monza, genauer gesagt, zu der Wiese der alten Pferderennbahn bei der Mirabello-Villa, zu pilgern. Hier war der Altar aufgebaut worden, die einzelnen ‚Sektoren‘ für die Besucher wurden abgesteckt und gekennzeichnet, drumherum standen die Rotkreuz-Zelte etc. etc. Man hatte anfangs mit 600.000 Menschen gerechnet, es kamen, wie erwähnt, eine Million. Vorwiegend aus der Lombardei, anderen nördlichen Regionen und der nahen Schweiz.

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9 Uhr 30, unsere Pilgergruppe. Aus meiner Gemeinde waren wir 42 Gruppen mit fast 2500 Personen.

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und Abmarsch…

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….Richtung Schloss. Normalerweise ist diese Strasse dicht befahren. Nun abgeriegelt und polizeilich überwacht.

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ab durch die Sicherheitskontrolle

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Im Park, man erkennt schon vom weiten die open-air-Kirche

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kurz vor 12 Uhr: unser Platz, mit Picknick und Liederheft

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lange mussten wir warten, aber ‚radio italia‘ unterhielt mit einer life-sendung; friedliche, positive, volkfestaehnliche Stimmung. ab halb zwei begannen die Liedproben fuer die Messfeier und es wurde herrliche Kirchenmusik fuer Blasorchester gespielt.

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15 Uhr, Papst Franziskus trifft ein

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unter den weissen Schirmen wurde die Eucharistie verteilt und eingekommen

Papstbesuch

Momente der Stille, Einkehr, Meditation

Ein unvergessliches Erlebnis.

Bewegend.

Berührend.

Spürbar, ganz deutlich spürbar, die pure Lebensfreude aller Teilnehmer.

Dankbarkeit für den reibungslosen Ablauf.

Sehr müde, aber nur körperlich müde,  nach 10 Kilometer langem Fußmarsch, fünf Stunden unter warmer Frühlingssonne, kamen wir um 19 Uhr zu Hause an, jedoch ‚con l’anima in pace‚, d.h. ‚mit der Seele in Frieden‘.

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morgen, liebe leser, wird’s was geben

es gibt ein italienisches kirchenlied, das mir besonders am herzen liegt. es heißt ‚il tuo popolo in cammino‚, also ‚dein volk auf dem weg‘. ich denke, es gehört zu den ersten kirchenliedern, die ich verstehen und mitsingen konnte. und morgen werden wir es bestimmt auch singen. als gläubige person, freute ich mich, als wir anfang des jahres bekannt wurde, dass der papst nach monza käme. ich habe johannes paulus II in torino erleben dürfen, mit meinem sohn nahm ich an einer feier mit papst benedikt teil und in rom sah ich franziskus zweimal. und morgen? mit meiner familie und ca. weiteren 2000 gemeindemitgliedern werden wir zum papst franziskus pilgern, denn um 15.00 hält er im park von monza die heilige messe ab. da monza total abgeriegelt wird, kann man den park nur zu fuss erreichen. fahrräder dürfen auch nicht mitgeführt werden. also warten etwa 5 kilometer auf uns. abmarsch ist halb 10, man trifft sich vor dem penny-parkplatz, die pilger sind in gruppen à 50 personen eingeteilt. wir haben die gruppennummer 36. heute nachmittag werden wir unsere rucksäcke und, leider auch, regensachen richten.

seit tagen laufen die vorbereitungen auf hochtouren.

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die stadt monza hat sicherheitsvorkehrungen ergriffen, im park wurden die bühne und der altar aufgebaut, gebäude und schaufenster sind geschmückt, in den baumärkten gehen die campingstühle aus und eine eisdiele hat sogar eine spezielle eissorte mit wohlklingendem, südamerikanischem namen ‚dulce de leche‘ kreiert.

gestern gab die lokalzeitung eine sonderbeilage heraus.

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der papst wird nicht nur in monza sein. er landet morgens um acht in linate, dem flughafen in der stadt, er wird das ärmste stadtviertel mailands besuchen und dort familien treffen,  er wird in das gefängnis gehen und dort das mittagessen einnehmen, selbstverständlich wird er im dom empfangen und dort auf dem platz die menschen segnen. mit dem auto wird papa francesco nach monza fahren, die messe zelebrieren (man geht von 800000 besuchern aus), um dann wieder nach mailand, in das san-siro-stadium zu fahren, wo er von den firmlingen aus der diozöse erwartet wird.

zwei nachrichten beherrschen die tagesschau: das attentat in london und das sicherheitsaufgebot, und die angst, in mailand und monza.

ich werde weiter berichten….

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World Poetry Day 2017

tja, an mir zog der gestrige welttag der poesie mehr oder weniger spurlos (eine kleine verschnaufspause reichte fuer einen tweet) vorbei. und heute reblogge ich diesen artikel hier:

Literatur und Schreiben

Der Welttag der Poesie wurde im Jahr 2000 von der UNESCO ins Leben gerufen.
„As a deep expression of the human mind and as a universal art, poetry is a tool for dialogue and rapprochement. The dissemination of poetry helps to promote dialogue among cultures and understanding between peoples because it gives access to the authentic expression of a language.“
(Irina Bokova, Director-General of UNESCO – Quelle: Message for the World Poetry Day)

2009 schrieb die ZEIT in einem Beitrag, der zeitgenössischen Lyrik fehle die „Street Credibility“, sie sei zu undurchschaubar, zu hermetisch.
2015 erhält Jan Wagner den Deutschen Buchpreis mit seinem Band Regentonnenvariationen. Vielleicht ein Rettungsversuch? Danach wird von einem kurzzeitigen neuen Boom der Lyrik gesprochen.

Zwar sorgen die sozialen Medien für eine schnelle Verbreitung von Lyrik, dass ein Gedicht im Wust von Informationen, Datenübermittlung und digitalen Bildern nach kurzer Zeit noch bemerkt wird, scheint eher unwahrscheinlich. Immerhin…

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erste frapalywo und der letzte beitrag

meins so wie deins bis auf

eure rauhfasertapete.

unsere nachbarn am eck

haben ein fenster mehr.

malkreidende kinder

kontrolliert durch

küchen,

alle standardgemäß mit vorgartenblick.

nur das eine da dessen

hecke eine kecke

kurzhaarfrisur trägt

tanzt aus der reihe.

 

mein werk zum siebten impuls ‚reihenhaus‘. nun ist die erste frau paulchens lyrikwoche auch schon wieder vorbei. kurzweilig war’s. das hauptthema, konkret und lebensnah, fand ich persönlich sehr reizvoll, da es auf den ersten blick zwar ‚einfach‘ aussah, aber gleichzeitig auch viel potential/inspiration anbot. wir werden uns wiederlesen!

 

 

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erste frapalywo und mein (auch schon wieder) sechster text

der Impuls Hochhaus liess mich sofort an meine letzte Hochhauswohnung in der via San Rocco denken. Hier ein paar Zahlen:

 

Die Katze

ein Vormieter hatte sie übrig gelassen

gehörte uns allen

Wir waren so um die sechzig

neun kinder mitgerechnet

die zwei hunde fehlen

geteilt wurden

zehn Garagen

vierzehn Autostellplätze

ein Garten ein Hof

das Müllproblem

die Heizungsrechnung

Einblicke

hinter die acht mal drei

eigenen vier Wände

eher selten.

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erste frapalywo und mein fünftes gedicht

Eins zu Null

 

Gerümpel

(fast) überraschend

siegte gnadenlos über

vermeintliche Ordnung und Staublosigkeit

(H)ort

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erste frapalymo und mein(schon) vierter beitrag

Dort

Schuhe an Schuhe aus

„Türe zu, es zieht!“

Und es müffelt nach Hund und Tabak.

Schuhe an Schuhe aus

Stiefel  an die Heizung

Ranzen in die Ecke pfeffern

Schuhe an Schuhe aus

Kleiderhaken für die Großen,

die Kleinen und die Gäste –

„Aber erst wird aufgeräumt!“

Schuhe an Schuhe aus

Unechter Perserteppich

Selbstgeknüpfter Wandbehang

Gehen kommen verlassen besuchen

Sauber und still ist er geworden

 

Hier

Andere Leute

Gleicher Rhythmus

Schuhe an Schuhe aus

„Permesso?“, soll man fragen

Marmor  bleibt kalt im Sommer

Fußstapfen wegbohnern

Kinderwagen

Kindergeburtstag

weil flur so gross wie eine camera

Schuhe an Schuhe aus

Turnbeutel Schlüssel Telefon

Umarmen statt Hände geben

Schuhe heißen scarpe

Scarpe für fünf sind ziemlich teuer

Es kommt Besuch aus ‚Dort‘

Irgendwann gehen die Kinder

Dann wird er hier leer und leblos sein

 

das ist mein werk zum heutigen impuls ‚der flur‘

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erste frapalywo und mein dritter beitrag

im geäst im garten im märz

da

eine amsel

im geäst im garten im märz

 

hier geht’s zum impuls (und den texten der anderen mitschreiber), der für heute ‚gartenlaube‘ lautete.

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erste frapalywo und mein text nummer zwei

in der dunklen augustnacht

wartete das zimmer lange

frühstück bei der stazione termini

zu mittag einen trevibrunnen

die piazza navona zwischendurch

am abend trastevere mit puntarelle

auf uns

wartete das zimmer lange

in der dunklen augustnacht

 

 

der impuls lautete ‚hotelzimmer‘. damit konnte ich zuerst nicht viel anfangen, mir fehlt  wohl ausreichend hotelzimmererfahrung, ich bin eher ein ferienwohnungstyp; mein mann, stets auf dienstreisen, könnte romane abfassen. jedoch, damals, machten wir zwei diese unvergessliche reise nach – ihr habt’s bestimmt erraten!

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