entschleunigen

ein nachteil des lebens im ausland besteht darin- jedenfalls ist es bei mir so, da ich in italien schon tiefe wurzeln geschlagen habe- dass wortneuschöpfungen in meiner mutterspache an mir erst einmal unbemerkt vorbeiziehen.
eines dieser wörter ist „entschleunigen“. wirklich toll!

also, denkt jetzt nicht, dass ich dieses verb erst gestern aufgeschnappt habe (das ist mir jedoch bei der abkürzung OMG passiert :)), aber ich bin davon überzeugt, dass es es nicht gab, als ich in den frühen neunizger jahren noch in good old germany weilte.
OMG! in italien ist mal wieder sommer: das ganze land entschleunigt. ich auch. wenn ich ruhig bin, habe ich wieder lust zum bloggen (s. hier: endlich mal wieder ein post), lust zum kochen bzw. nachkochen (s. hier: ich bruzelte zum heutigen abendessen was aus pilzen und spargel zusammen) und auf entdeckungen.

so machten meine familie und ich uns gestern auf, die floating piers zu besichtigen. noch bis zum 3.7. kann man das neue Kunstwerk von christo und jeanne-claude am und auf dem iseo-see bewundern.
der ausflug schlug fehl, aus der entschleunigung wurde nichts.

dabei hatten wir  uns so gut organisiert: rucksack, regenzeug, picknick, internetfahrkarten für den zug  um 17.58 von brescia nach sulzano. brescia liegt eine autostunde von uns entfernt; wir wussten, dass es schier unmöglich ist, mit dem auto zu den floatings piers hinzufahren  und da wir den iseo-see und sein panorama schon kennen, dachten wir, während den abendstunden das kunstwerk zu betrachten. tja. in brescia standen viele touristen herum: das war klar, man rechnet mit einem besucherandrang von bis zu einer million menschen. nur gab es keinen zug  mehr. die behörden mussten aus sicherheitsgründen den besucheranstrum kontrollieren, da die orte am iseo-see total überlaufen waren. ca. 2 stunden wartezeit, hieß es. boah! nee! ausserdem wurde die ‚passarella‘ in der gleichen zeit evakuiert wegen schlechtwetterwarnungen.

so ließen wir unsre tickets von völlig überfordertem bahnpersonal stornieren und verbrachten den rest des nachmittages und des abends in brescia.

das stadtzentrum ist eine besichtigung wert: man findet eine den besucher zuerst verwirrende mischung aus mittelalter-flair und faschistischer architektur vor. uns so beim bummeln, musste ich an berlin-kreuzberg denken: so viele bunte mulikulti-geschäfte und -lokale habe ich bisher nur dort gesehen.

und unser picknick? das verspeisten wir auf dem ‚castello‘ von brescia: einer der besterhaltensten festungsanlagen in norditalien. bis das gewitter mit hagel kam. wohl jenes, das zuerst über den iseo-see hinwegfegte.

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