Meine „Auto-Biografie“

(Gestern, auf Twitter, hatte ich Euch zwar Fotos aus Ligurien versprochen. Aber zuerst musste dieser Post termingerecht raus.)

Lasst mich mal so beginnen: Mein Vater ist bereits bei der Nummer 12 angekommen, ich bin immer noch bei der Nummer eins.

Um was geht’s?

Um Autos. Soll also heissen, dass mein Vater bis heute 12 Wagen gefahren hat; was er auch auf dem Nummernschild verewigen liess. Ich fahre immer noch mein erstes Auto, welches von meiner Mutter als „Rutscherle“ bezeichnet wurde.

Beim Stöbern im Internet bin ich auf diese Blogparade, von Alexander initiiert, gestossen. Ich habe noch nie an einer blogparade teilgenommen,  das Thema hier interessierte mich schon ein bisschen. Nicht, weil ich eine ausgesprochene Autokennerin bin, sondern weil ich einfach nur leidenschaftlich gern Auto fahre, viele Autos gefahren habe (u.a. die von meinem Manne) und weil mein Herz an einem uralten Kleinwagen, an einem Fiat Punto 1.2i cat 3P hängt.

Viele meiner Alltagsgegenstände sind betagt. Das erste Handy bekam ich 2002 und nach mir benutzten es noch die Kinder bis vorheriges Jahr. Da ist mein Laptop, der ist acht und wurde schon gebraucht gekauft. ‚Gudrun‘, so wurde die Spülmaschine getauft, wird im November 13, die erste Waschmaschine ging nach 21 Jahren kaputt, die Mocca ist so alt wie unsere Ehe und der Mann wird diesem Sommer einen runden Geburtstag feiern und der Sohn ist volljährig plus eins.

Und dann gibt es eben ihn, meinen heissgeliebten Fiat aus dem Jahr 1999. ‚Pünktchen‘ nennt er sich und hat sage und schreibe nur etwas mehr als 95.000 Kilometer; Motor(-teile), Schaltung, ein Rückspiegel und Innenausstattung original erhalten. Der Wagen ist kinderleicht zu bedienen, weil pure Fuss- und Handkoordination ausreicht. Silber-metallic-verkratzt, dreitürig und ohne irgendwelche optionals, Assistenzsysteme oder Klimaanlage, bis auf elektrische Fensterheber. Ach, nee,  fast vergaß ich’s, es gibt noch einen herausnehmbaren Kassettenrekorder mit Radio. Und im Winter niedliche Quietschgeräusche, da der arme Kerl nur einen Stellplatz auf dem Hof draussen hat und erst warm laufen muss. Nach den ersten 1500 m kehrt dann Ruhe ein.

Meinen rosa Lappen machte ich Anfang der neunziger Jahre, auf einem Golf. Zu Studienzeiten finanzierte mein Vater meiner Schwester und mir einen Zweitwagen. Die ersten waren ein  grünlicher VW Jetta dunkelblauer Seat Ibiza. Und ich hasste diese Teile: einfaches Blechspielzeug, noch mit Choke. Nie bin ich mit dieser Starterklappe klar gekommen. Es folgte ein Seat Cordoba. Absolut cool, da relativ schnell, knallrot und mit schickem Heckansatz. Dieses Auto war sogar für einige Monate als Dienstwagen des Landes Baden-Württemberg angemeldet, da ich es während eines Praktikums in einem ZfP brauchte, um Fahrten mit und für Patienten zu unternehmen. Ich fühlte mich kompetent und professionell. Ziemlich schnell nach dem Studium zog ich nach Torino, Italien, um und dann hatte ich lange Zeit keinen Wagen. Bis auf einen Dienstwagen einer Sprachschule und die Autos  meines Mannes. In Turin durfte ich also einen Fiat Panda 4×4 eines Sprachinstituts benutzen. Der pure Wahnsinn bei dem Grossstadtverkehr! Es kam mir vor, als ob ich in einer Eierschale mit Autoreifen sitzen würde. Auf der anderen Seite finde ich den neuen Panda 4×4 genial, ein Kleinstwagen mit starker Leistung. Könnte mich interessieren.

Pünktchen ist auf den Namen meines Mannes zugelassen, aber da er ausschliesslich seine Geschäftswagen fährt, gehört der Fiat mir ganz alleine. Weil ich auch die Geschäftswagen fahren darf, zum Beispiel am Wochenende oder im Urlaub (letzten Sommer kamen wir während unserer Osteuropatour auf 7000 km), habe ich folgende Automarken bzw. -modelle kennengelernt; an einzelne technische Ausführungen/Details erinnere ich mich nicht: Renault Megane, Renault Laguna,  zweimal Ford Mondeo (Automatik), dreimal VW Passat, Volvo V 60 (Automatik), zweimal Fiat Freemont (Automatik), Peugeot 5008  (Automatik).

Die liebsten Erinnerungen habe ich an den Megane. Mit dem ‚Karren‘ fuhren wir in einen unseren schönsten Urlaube, nach Rom. Es war so heiss, es gab keine Klimaanlage. Und es war uns so was von egal! Einige Jahre später, fuhr mein Mann  mich mit demselben Auto ins Krankenhaus zur Geburt des ersten Kindes. So wurde der Megane zur allerersten Familienkutsche. Es folgte der Laguna, den bin auch auch noch oft gefahren, er war unser erster, richtig ‚grosser‘ Wagen. Sportlich, schnell, mit praktischen Dimensionen und ansehnlicher Optik. Dann, im Jahr 2005 kam ich auf den Punto, zeitlich gesehen zwischen Kind Nummer zwei und Kind Nummer drei. Die ersten Ausfahrten begrenzten sich auf einen kleinen Radius, waren aber pädagogisch wertvoll, denn ich klapperte all die Spielplätze in Monza ab, die ich sonst zu Fuss nie erreicht hätte bzw. hatte. An die Fords und VW habe ich gar keine spezifischen Erinnerungen. Den Volvo liebte ich. Ich mag generell das Design, wobei ich die früheren, eckigeren Formen, wie bei einem Volvo Polar, bevorzuge. Obwohl der V 60 schon recht voluminös war, war er bestens zu fahren. Leider sass ich oft am Steuer, denn den Volvo besaßen wir,  als mein Mann  länger krank war, ins Krankenhaus musste  und ich ihn öfter begleiten musste. Auf dem Klinikparkplatz stellte ich den Wagen immer in der Reihe ‚f‘ ab, ‚f‘ wie ‚fuck‘. Das entsprach meiner Stimmung. Mit den Freemonts kam der SUV zu uns. Die Freemonts habe ich absolut nicht gemocht. Die waren mir zu sperrig, zu massiv, zu futuristisch. Ich hatte immer das Gefühl, dass mein Körper viel zu klein sei, um dieses Monstrum steuern zu können. Ich hatte Angst, mich ans Lenkrad zu setzen.  Das Armaturenbrett war mir zu unübersichtlich, es hätte ein Flugzeugcockpit sein können. Die ausgefeilte Elektronik erlebte ich lange Zeit als ‚Komplikation‘, als Ablenkung, nicht als Unterstützung. Jedoch erlaubte der Freemont dank der Geländegängikeit und seinen Ausmassen tollste Urlaube.  Vor zwei Jahren machten wir zu sechst (im Freemont gibt’s Platz für bis zu sieben Personen) total bequem die Reise in die Abruzzen.   Und während den Familienferein in Frankreich, Kroatien und auf Sardinien fanden wir stets den Weg bzw. die Sandpiste zu entlegensten Buchten und Stränden. Als wirklich sinnvoll finde ich für so lange Fahrten die Funktion des cruise control. Das vermisse ich an meinem „Rutscherle“. In den Peugeot bin ich verliebt. Schon beim Besuch im Autohaus hat er mich überzeugt. Nun fahren wir ihn seit zehn Monaten und er gehört zu meinen Lieblingen… Tolle Linien, tolle Innenausstattung, zuverlässlicher Fahr- und Parkassistent und (für uns 5 extrem wichtig) die Kids schätzen es sehr, dass jeder der drei Rücksitze einzeln verstellbar ist. Unsere Route an Ostern, Monza-Schwabenland-Monza-Ligurien, verlief u.a. so gut, weil der Wagen komfortabel ist. Vier Stunden durchfahren sind problemlos aushaltbar. Aussderdem gibt es ein kleines Detail, das ich persönlich sehr ulkig-originell finde. Unterm Bildschirm befinden sich Schaltertasten, die wie ein Musikinstrument gestylt sind.

Wie gesagt, mein Herz hängt aber am Punto. Klein, wendig, ausreichend schnell (Tempolimit in Italien beachten!), übersichtlich, sparsam (na ja, relativ, bei den Superbenzinkosten hier in Italien), unkaputtbar. Das liegt vielleicht auch daran, weil ich ihn sehr sorgfältig hege und pflege und warten lasse.

edf Ich bin auch ein bissle stolz auf mich, weil ich alles, von Abgasuntersuchung, Reifenkauf und -wechsel, Steuer und Versicherung,  alles persönlich organisiere oder eben, je nach Poblem, meinen ‚meccanico‘, ‚carozziere‘ oder ‚elettrauto‘ kontaktiere. Also, der Mann fummelt hier nicht rum! Normalerweise brauche ich Pünktchen für den wöchtenlichen Grosseinkauf, um zur Arbeit zu fahren, für elterliche Taxidienste; aber einmal im Jahr fahre ich mit dem Autole im Sommer ins Schwabenland  und mache dort mit den Kids Urlaub bei Oma und Opa und anderen lieben Menschen, Ausserdem war Pünktchen schon auf Sardinien und in Ligurien unterwegs. Ich komme überall dorthin, wo ich hin will. Ach ja, selbstverständlich habe ich einen Navi – ratet mal, wie kann’s auch anders sein- einen sieben Jahre alten Navi im Handschuhfach. Wobei an dieser Stelle mein bester Copilot erwähnt werden muss: der Sohn. Ein ruhiger Mensch, der den Überblick behalten kann und ein Gespür für Strassen und Richtungen hat. Der Gute ist zu einem zwei-Meter-Mann herangewachsen, passt gerade mal so in das kleine Auto, muss den Sitz dermassen nach hinten schieben, dass er aus dem hinteren Fenster schaut.

edf

Der Punto eignet sich in folgenden Kombinationen: ich und der Grosseinkauf im vollen Kofferraum; ich und meine Arbeitstasche und viel Spielraum;  ich und alle drei Kinder, Picknick und Gepäck mit null Atemluft (früher: ich und zwei Kinder, ein Buggy und ein Kinderrad und Atemluft); der Sohn,  seine Klassenkameradin und zwei Schultaschen im Falle von Streik des ÖPNVs oder Regenwetter (mehr Leute gehen bei schlechtem Wetter nicht, die Belüftung kommt nicht nach); ich und die mittlere Tochter,  ihre drei besten Freundinnen plus Schultaschen und Turnbeutel, ich und die Kleinste und drei  bis vier ihrer Freundinnen; ich und die Kleinste und ihr Skateboardequipment; ich und unser Kaninchen in der Transportbox; ich, meine Freundin Ica und unser Yogazeug; ich, meine Freundin Chrissi, meine drei Kids und Badesachen, seltenst ich und mein Mann  auf dem Beifahrersitz… die absurdeste „Bestückung“ ergab sich während der Jungfernfahrt, im April 2005, nach Sardinien. Ich, mein Mann, zwei Kinder mit Kindersitzen, das  Gepäck, ein Buggy mit Trittbrett und ein elektrischer Heizkörper. Aus dem einfachen Grunde, da es in dem Ferienappartement keine Heizung gab und es saukalt war.

Ich kenne nur eine einzige Grenze: die Innenstadt von Milano. Nur wenige Male war ich in die City gefahren und ich bin heilfroh, dass mir die  ’neuen‘ verkehrsberuhigten- und Umweltzonen verbieten, mit dem Punto ins Zentrum zu gelangen. Auf den Strassen in Mailand bekomme ich Panik, auch nach Jahren kann ich mich sehr schlecht orientieren – da darf dann Mann mit seinen moderen Wagen fahren.

Mein Traum ist es, den Punto noch lange fahren zu können. Ich habe mich schon informiert, vielleicht wird er ja in vier oder fünf Jahren ein Oldtimer. Ich könnte ihn jetzt schon in eine Art Warteliste eintragen lassen.

Und unsere nächste Fahrt? An Pfingsten, nach Deutschland.

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P.S.: ich habe meinen post gerade noch so fertig gebracht, bis 30.4.19 geht die blogparade noch… wer kennt noch nette auto-biografien?

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8 Gedanken zu „Meine „Auto-Biografie“

  1. Coole „Auto-biografie“ die Idee ist witzig… mal sehen ob ich auch mitmache. Obwohl esbin meinem Blog vorallem um.mein Leben ohne Auto geht, habe ich dennoch eine “ Auto-Biografie“

  2. Liebe Ulrike,

    vielen Dank für Deinen Beitrag zu meiner Blogparade.
    Du schreibst wirklich ganz wunderbar und es hat mir viel Spaß gemacht, Deinen Artikel zu lesen.
    Am liebsten hätte ich jetzt auch gern einen Fiat Punto :-).

    Viele Grüße,
    Alexander

    • Hallo, Alexander. Danke für das Lesen meines Beitrags und für das Lob. Ja, einen punto zu fahren, ist Lebensphilosophie. Schade, an der blogparade gab es nicht so viele Teilnehmer. Gruß zurück Ulrike

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