Nach(DemLockdown)Wort

Das Aneinanderreihen von Wörtern, um vom aktuellen Leben zu schreiben.

Einiges hat sich angesammelt.

Da sind Lockerungen und mehr Bewegungsfreiheit.

Anfang Mai das erste Mal seit Wochen die Haustürschwelle übertreten und hinaus getreten. Die Treppe hinuter, es geht geht bergauf. Raus aus dem Schneckenhaus-Haus der Ausgangssperre und einen Spaziergang gemacht. Grosse Überraschung: Auf wundersame Weise ist es Sommer geworden. Warm. Sonnig und blau. Sehr luftig. Leicht grau der Himmel, nur wenn die schwüle Luft steht und es regnen sollte.

Grosse und kleine Inhalte, die ich teilen möchte: Ein Schuljahresende mit anstehenden Prüfungen. Die Kanditatin hat sich aber schon längst innerlich von Lust auf Lernen, Motivation, der Mittelschule, den LehrerInnen, ihren KlassenkameradInnen  verabschiedet.  Den vierzehnten Geburtstag ohne die eine Freundin -wegen Corona, sagte die mamma-  trotzdem nett gestaltet. Bald  noch ein siebzehnter. Morgen Geschenke besorgen gehen. Ein bestandenes Uniexamen nimmt die Bedeutung eines persönlichen Sieges über die ‚quarantena‘ an. Ein absehbares Ende der Kurzarbeit.  Wiedereröffnung meines Hauptarbeitsplatzes. Der Geschäftsführer schickt whatsapp-Bilderchen von Plexiglassschutzwänden und  – ach ja – bezahlen konnte er auch.

Andere  Menschen treffen, andere Menschen als nur die eigene Familie, Hausmitbewohner, Supermarktangestellte, die Metzgereifachverkäuferin mit der ich per Du bin, den Apotheker, die Lieferanten online bestellter Ware. Andere Menschen, meine Freundinnen, im Cafè, in der Fussgängerzone und im ‚parco di Monza‘. Sich den Lockdown von der Seele reden. Sich nicht umarmen können, fällt uns extrem schwer.

Weniger Stille trendet. Laut ist es geworden. Noch nicht so laut wie zu prä-Corona-Zeiten. Aber jetzt weckt mich der Verkehr, nicht mehr der Morgenvogel. Mit Unglauben sogar im Stau gestanden, Freitag ist es gewesen. Alle hatten die Fenster herunter gekurbelt und im Kreisverkehr hinter den Mund-Nasen-Schutz-Masken schimpfte man sich gegenseitig aus. In meinem Auto läuft der Motor mit im Februar getanktem Benzin.

Spass machen, so richtig, macht’s noch nicht. Das Hinausgehen. Trügerisch. Zu viele Menschen auf einmal meiden. Überall Sicherheitsprotokolle (paradox: es ist gemütlich Daheim!). Gut ist es, wenn du weisst, was dir gut tut, was du dir zutraust, ohne in Alarmbereitschaft zu geraten. Das den grossen Kindern mit auf den Weg geben, wenn sie losziehen und am sozialen Leben Gefallen finden. Freundschaften, sie sich endlich wieder treffen dürfen. Die kleine Tochter will noch nicht vor die Tür. Jedoch will sie kurze Haare. Und fast täglich liegt sie mir im Arm, wenn wir Anime angucken. Habe mich in ihre Welt entführen lassen. Phantasie ist ein gutes Beruhigungsmittel.

Auch wenn die Welt draussen offen steht, nach wie vor vermehrt im Netz unterwegs. Wenigere Meldungen über das desolate Italien in den Schlagzeilen und in meiner persönlichen social-Welt spürbar verbesserte Stimmung. Kochrezepte haben mehr Süße. Aufnahmen von der Natur und Krabbelgetier, Pflanzen und Blüten und ganz viel Meer und unbewölkter Himmel, neue Wanderwege. Mit einer Internetfreundnin Wettrüsten um unsere Balkonzucchini.

Italien hat in diesen Tagen sein Meer, seine Berge und Parks geöffnet. Und auch die Grenzen zwischen den Regionen. Wir haben Pläne geschmiedet und einen Ausflug gewagt. Ein Schatz, dieser Tag. Mit Picknickrucksack die Treppe hinuter gegangen. Es geht bergauf.

 

 

11 Gedanken zu „Nach(DemLockdown)Wort

  1. Ach, … wenn man doch sagen könnte, das es endlich vorbei sei! Jetzt hat die Schule wieder angefangen und die relative Ruhe im Alltag, die durch Abstandhalten, das regelmäßige Frequentieren einer überschaubaren Personengruppe, die Benutzung von Masken und Desinfektionsgel in den letzten Monaten eingekehrt war, ist wieder auf den Kopf gestellt. … alle zittern und man muss trotzdem versuchen, ruhig zu bleiben.

  2. Das „schöne“ an Corona ist (nicht: war), dass unser Blick geschärft ist für die einfachen Dinge. Corona hat alles zu etwas besonderem gemacht.
    Vielleicht war es einfach Zeit die Menschheit zu erden.
    LG Nicole

    • Erst einmal Danke fuer deinen Besuch und deinen Kommentar und dafuer, dass ich dich als Followerin begruessen darf. Ich kann Deinen Standpukt nachvollziehen, aber nicht voll und ganz auf mich uebertragen; ich/wir aber auch viel Negatives erlebt. So eine Katastrophe brauch‘ ich nicht noch einmal!

  3. Und da ihr ja wohl nun auch immun seid weil ihr Covid schon hattet, ist vermutlich auch die Ansteckungsangst nicht mehr so präsent? Würde das Umarmungen denn nicht eigentlich ermöglichen? (Vielleicht eine sehr naive Frage, sorry.)

    Feine Ausflüge wünsche ich dir und deinen Lieben!

    Ich wünsche euch ein gemächliches Finden eines neues Alltags, der hoffentlich weniger hektisch bleibt als jener davor.

    • Danke, ob wir nun immun sind – wer weiss? wir liefen immer nur als Verdachtsfall, was die Persepktive aendert. Die Menschen hier sind alle noch sehr vorsichtig und die meisten gehen auf Distanz. Gestern kam zum Ausflug eine andere Familie, die wir eingeladen hatten, nicht mit, aus Angst vor Covid. Und das muss man akzeptieren.
      Ich denke, dass auch meine Kinder ihren Freunden nicht um den Hals fallen.
      Danke fuer deinen Besuch, dein aufmerksames Lesen und ja, ich werde darauf achten, dass der Alltag ruhiger bleibt.

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