Hühnchenbrustfilet in Pizza-Sauce

Ein einfaches, schnelles und zugleich schmackhaftes Rezept, auch für  mehrere Personen bestens geeignet.

Ausreichend  Filet einkaufen, ich nehme für uns fünf 700 gr Fleisch und schneide es in mundgerechte Stücke, aber nicht zu klein. In einer beschichteten Pfanne brate ich zuerst die Ringe einer halben Zwiebel an und gebe dann das Fleisch dazu. Gegen Ende der Garzeit salzen, pfeffern und mit Origano würzen. Nebenbei habe ich eine Handvoll, in Salz eingelegte Kapern gewaschen und klein geschnitten, diese gebe ich nun dem Fleisch dazu. Es folgen eine Dose Tomatensauce und eine Dose Tomatenfruchtfleisch. Alles weiterhin leicht köcheln lassen, je nach Belieben nachwürzen. Ich hatte zu Hause frischen Rosmarin und Salbei. Eventuell Oliven dazugeben, ich liebe die kleinen schwarzen, und ganz zum Schluss einen klein geschnittenen Mozzarella. Warten bis dieser etwas geschmolzen ist und dann servieren.

pizzafleisch

 

 

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Liebe, virtuelle Welt! Einmal Daumen drücken, bitte!

Intensiv. Gerade ziemlich intensiv, Gespräche, Ängste, Hoffnungen, Träume.. die Zukunft eines der drei Kinder ist Thema.

Gestern bekam die mittlere Tochterfrau ihr Halbjahreszeugnis, das wir auf der Internetseite der Schule abgeruft haben. Aus ist es mit Papier, Zeugnis nach Hause tragen und unterschreiben lassen. Alles im grünen Bereich. Freu 🙂

Irgendwann im Februar gibt’s bei der kleinen Tochterfrau auch Noten; bis nächstes Schuljahr darf sie sich noch als ein freier Mensch fühlen, dann geht’s an die Wahl der passenden Oberschule und es gibt das erste, richtige Abschlussexamen…

Vorgestern veröffentlichte das Schulministerium die Fächerkombinationen für das Abi 2019. Ein von allen Betroffenen lang erwarteter Tag. Yepp. Abitur ist DAS Thema in unserer Familie, der  Sohnemann wird im Sommer die Schule beenden. Jetzt, da klar ist, was genau ‚drankommt‘ wird die Büffelei losgehen. Irgendwie bin ich aufgeregter als zu meiner Zeit. Mutterherz und Muttersorgen eben.

Um das Abi ablegen zu können, musste der Sohn ein Formular ausfüllen und wir Eltern den Antrag unterzeichnen. Auf der Post musste eine Art Schulsteuer, knapp 13 Euro einbezahlt und die Quittung dem Antrag angehängt werden. Ich liebe sie -nicht- diese italienischen, bürokratischen Absurditäten! Ich finde es ungeheuerlich, dass man für Schüler ab 16 eine Steuer errichten muss. (Und Anfang Mai werden wir erfahren, ob das ‚Kind‘ offiziell zum Abi zugelassen wird.)

Nun ja, jetzt geht’s also um die Wurscht: Halbjahreszeugnis abwarten, weiterhin Noten und Punkte sammeln, Ausgleiche schaffen. Auf dem Plan stehen Italienisch (schriftlich), Englisch und Deutsch (schriftlich) und Spanisch und Physik (mündlich und mit einer externen Kommission). Die Prüfungen werden erst nach Beendigung des Schuljahres geschrieben, dann, wenn alle anderen schon Sommerferien haben werden.

Die Ferien werden sowieso kurz sein, denn wenn der Sohn auf die Uni will, muss er sich auf Zulassungsests vorbereiten. Der grosse Traum wäre eine Karriere bei den Carabinineri. Aber auch dort gibt es Auswahlverfahren zu bestehen. Erste Anfragen sind schon online abgeschickt worden, und nun wartet er auf eine Einladung nach Rom. Vielleicht wohnt er ab September gar nicht mehr bei uns.

Seinen Weg wird er finden, da habe ich keine Zweifel, ihr versteht jedoch nun, warum wir ein paar gedrückte Daumen mehr gebrauchen könnten. Ihr könnt aber auch, nach italienischer Sitte, den  Mittel- über den Zeigefinger kreuzen.

P.S.: Stellt Euch mal vor, hier gibt es keine Abizeitung, keinen Abistreich, keinen Abiball, keinen Abi-Autoaufkleber. Nichts. Niente.

Ein Tag, zwei Feste

Herzlich willkommen zurück, auch mein Blog ist im Jahr 2019 angekommen.

Heute ist der letzte Sonntag meiner Weihnachtsferien, morgen starten hier 5 Leute durch. Die Umstellung wird nicht einfach, denn mehr oder weniger waren wir in den letzten zwei Wochen eher untätig gewesen. Seit zwei, drei Tagen spüre ich einen leichten Anflug an Tatendrang, habe sogar schon ein paar Erledigungen erledigt, und nehme diese Stimmung als Zeichen, dass ich recht erholt und  ausgeschlafen in den Alltag wechseln kann.

Heute ist aber auch ein Sonntag, auf den zwei Festivitäten fallen. Es ist Heilig-Drei-König, besser Epipfanie, und in Italien zeitgleich ‚Befana‘. Eine alte, hässliche Dame in Hexenkluft und mit löchrigen Socken fliegt auf ihrem Reisigbesen durch die Nacht des 5.1. und beschenkt die Kinder mit reichlich Spielzeug, Süssigkeiten und Kohle (essbare).

Meine nun fast 16 jähirge Tochter ließ mich, während sie mich gnädigerweise zum wöchentlichen Großeinkauf begleitete, wissen, dass sie (also drei Kids) sich noch gerne über einen mit Bonbons gefüllten Wollstrumpf freuen würden. Gut, so soll’s sein. Heimlich besorgte ich also all das, was ihr Gaumen begehrt – und die Freude war gross.

In Monza, der nahe liegenden Provinzhauptstadt, gibt es seit Jahren eine von Familien innig geliebte Veranstaltung: ‚la befana in moto‘. Der hiesige Motorradclub organisiert jedes Jahr eine Art Umzug durch die Innenstadt – und tatsächlich, heute Vormittag, auf dem Weg zur Kirche, erblickten wir drei Hexen und einen der drei Könige, wie sie auf den Motorräder vorbeiflitzten. https://giornaledimonza.it/notizie/attualita/ (unter ‚Befana Sprint‘ solltet Ihr einen Artikel und Video finden)

Mein Mann hat  aus seiner Herkunftsfamilie eine nette Tradition übernommen. In Italien werden die Krippen ja schon Anfang des Monats Dezember aufgestellt. Das Jesuskind legen wir aber erst am Abend des 24. 12. hinein. Und am 6.1. darf die Jüngste unserer famiglia die Drei Heiligen Könige ganz nah um die Krippe herumstellen. Normalerweise stehen sie etwas abseits.  Ein Blick auf unsere Krippe:

Krippe

Krippe

 

Zu unserer kulinarischen Tradition gehört ein feines Fleischfondue. Mit einem feinen Salat als Beilage. Und der geht folgendermassen: man nehme ca. 2oo gr Feldsalat; dieser wird mit zwei hart gekochten Eiern (in Scheiben geschnitten), 50 gr. angebrutzelten Speckwürfeln, einer Handvoll klein geschnittener Nüsse und einem EL Röstzwiebeln vermischt, gesalzen und mit,  je nach Belieben, Olivenöl und Balsamessig angemacht. Der Clou sind die Kichererbsen. Eine Dose küchenfertige Kichererbsen abtropfen lassen, mit Paprika aromatisieren und unter den Salat heben. Schmeckt super! Und schaut so aus:

Kichererbsensalat

Kichererbsensalat

So. Für einen ersten Post in diesem Jahr, war’s das.

Ich grüsse Euch noch mit dem Titel eines zum Anlass passenden Kirchenliedes:

Alzati rivestiti di luceWeiterlesen

Entschlackungsfenchel (nicht ganz so ernst gemeint)

Liebe Leser und Leserinnen!

Ich bin so was von erstaunt!

In allen Blog- und Twitteraccounts, denen ich folge, dreht es sich fast nur noch ausschliesslich um Adventskalender, -türchen, -bäckerei, um Weihnachten eben. Wie schaffen die das?

Wow. Also ich bin völlig ausgelastet mit der Alltagsbewältigung. Die Vorbereitungen auf Heilig Abend laufen nebenher. Irgendwie. Halt. Trotzdem will ich kurz meinen Spekulatius, ach nein, man sagt ja „Senf dazu geben“. Kurze Situationsanalyse: ich kann durchatmen, mir geht’s gut soweit, denn das Gros an Geschenken haben wir im Netz bestellt oder in Einkaufszentren aufgetrieben, wo man alles finden kann. Ich habe auf althergebrachte Weise Karten geschrieben, ein Paket gerichtet und alles abgeschickt (- selbst noch nichts erhalten). Somit ist der stressigste Teil ist abgeschlossen.

Als halb-italienische Familie haben wir dieses Jahr sehr spät das Bäumchen und die  Krippe aufgestellt, es war schon Montag, der 10.12. Und zum Backen und,  als Nebeneffekt, Töchter glücklich machen, musste ich im Terminkalender einen Tag frei  halten. Vorgestern standen Ausstecherle (eine Sorte mit Marzipan) und Vanillekipferln (mit geriebenen Pinienkernen) auf dem Programm. Nebenher (schon wieder dieses Wort!) musste eine Tochter Mathe lernen und die andere zu ner Klassenkameradin und eine Partnerarbeit für Geschichte fertig machen. Trotz diesen Widrigkeiten sind die Kekse super geworden. Als halb-deutsche Familie haben wir es sogar geschafft, die engste Verwandtschaft und zwei Weihnachtsmärkte zu besuchen; der mit Schwesterherz getrunkene Glühwein war die Fahrerei wert und das gigantische Essen bei meiner italienischen Schwägerin am 25.12. ist mir so was von egal. Mich interessiert der 24. Dezember. Und den feiern wir bei uns zu Hause.  Dieses Jahr habe ich mir einen Luxus erlaubt und habe beim Metzger vorbestellt, am Montagvormittag hole ich Perlhuhn, das ich im Römer braten werde.

Für Freunde hatte ich auch Zeit: letztens lud mich meine schwäbische best friend, die ich hier in der Nähe hab‘, zum Adventsfrühstück bzw. -schwatz ein.  Mit meiner Weiberclique liefen wir an einem Vormittag den Markt in Monza ab und gingen in eine Sushi-Bar einkehren. Ein extrem cooles Gefühl überkam mich, als ich dort sass und um Viertel nach eins meinen Sohn vorbei latschen sah… Er musste auf den Bus und nach Hause, weil ich ihm aufgetragen hatte, für sich und die Schwestern Mittag zu kochen. Hehehe.  Schlussendlich, am vergangenen Sonntag hatte ich fein zu einer merenda sinoira geladen. Ach, ja, ihr wisst wohl nicht, was das ist.

Allora, inzwischen weiss jedes Kind, dass ein brunch ein breakfast-lunch ist, nicht wahr? Die merenda sinoira ist die italienische Antwort darauf, nur ein bisschen älter und um einige Stunden verschoben: es ist eine Mischung aus Vesper und Abendessen und es werden in der Regel antipasti und primi gereicht.  Wir begannen um 18 Uhr zu essen und sassen um halb neun immer noch am Tisch. Es gab Salami, Käse, Kartoffelteig-Croissants, Blätterteigtaschen, Gemüsetarte, gefüllte Paprika, Salate, Schokoladentorte und  pan del marinaio, Früchtebrot aus Genua.

Die Gemüsetarte ist ganz einfach und schnell zubereitet: ein runde Kuchenform mit Backpapier und fertigem Blätterteig auslegen. Für die Füllung zwei Eier mit 500gr. Ricotta mischen und je nach Belieben salzen und mit Muskat würzen. Einen kleinen Kopf Radicchiosalat waschen und in feine Streifen schneiden und in einer Pfanne leicht andünsten. Abkühlen lassen und dann mit der Eiercreme verrühren.  100 gr. in Würfel geschnittenen Scarmorzakäse dazugeben und alles auf den Teig geben. Nach Belieben mit Reibekäse und Semmelbrösel bestreuen und ca. 20 Min im vorgeheizten Umluftofen bei 180 Grad backen. Lauwarm servieren.

Radicchiotarte

Radicchiotarte

Mein highligt soll aber der Fenchel sein, der taucht ja schon im Titel auf und ist ideal, um sich, vor oder nach den Feierlichkeiten, leicht zu ernähren. Also, spotlight an:

Fenchel

Fenchel

Pro Person nehme man einen Fenchel. Dieser wird gewaschen, geputzt und in feine Streife/Ringe geschnitten. Diese auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen, leicht salzen, Oliven und ein bisschen Olivenöl dazugeben und im vorgeheizten Umluftofen bei 160 Grad ca. 15 Min weich werden lassen. Warm servieren.

So. Das war mein Weihnachtsbeitrag. Ich hoffe, Ihr habt einen kleinen Einblick in meine vorweihnachtliche Existenz erhalten.

Liebe Blogfreunde, ich wünsche Euch allen von Herzen gesegnete Weihnachten. Mögen Friede, Freude und liebe Menschen bei Euch zu Gast sein. Kommt gut ins Neue Jahr und ich wünsche Euch Gesundheit, Wohlergehen, Glück und viele neue Inspirationen.

Fürs Lesen und Folgen

Vergelt’s Gott

Eure ulbarb Weiterlesen

frapalymo november 18, „cento“

die aufgabe lautete, ein „cento“ bzw. ein flickengedicht zu schreiben. hier könnt ihr alles und alle anderen (nach-)lesen. ich habe mich auf meine Gedichte dieser #frapalymo-Ausgabe bezogen; nicht immer die komplette Textzeile benutzt.

 

er war gut so

dort fliegt der Zufall

wollte

Menschen

Geschichten

ob gross oder klein

die Kleider ablegen

den Rest verpackt

Kopf Wort Auge Hand atmen lassen

dichtend

immer weiter im Wortort

die Kleine

die lange die kleine blieb

bewohnt das Wort

ich bin

mensch und zerbrechlich

ich wünschte

ich könnte  kreisen abwarten hoffen

unendlich sich wiederholend

vertraut auf die Zeit

in Pergamentfalten reifen

frapalymo november 18, „flucht und asyl“

ich bin gast

aus mitteleuropa

dank oktoberfest und merkel

hoch angesehen.

 

menschen, die ich kenne,

aus albanien wollen wieder zurück

aus rumanien zogen letzten monat weiter

aus marokko machten tolle kindergeburtstage.

 

ich bin gast

aus mitteleuropa

und sehe fern:

die inseln hier

ob gross oder klein

sind arm und zerbrechlich und wissen nicht weiter

wohin mit den särgen

 

ich bin gast

aus mitteleuropa

und habe das geld für den reichsten

supermercato hier

und der zufall wollte

dass ich die schweigeminute für lampedusa

zwischen den mehr als mannshohen regalen

beging

 

ich bin

mensch und beweinte

die toten.

 

 

ein tiefgehender impuls, „flucht und asyl“, heute bei sophie paulchen.

frapalymo november 18, „kicken, Prinzessin, Tomatensalat“

Samstag, dritter November

 

Es war einmal mein Sohnemann

der mit dem Paps auf’m Bolzplatz stand

in der Thermos Tee für alle

schwarz und bitter wie die Galle

der Sohn liebt CR7, der heute kickt und zielt

der Trainer mit dem Schiri um Punkte dealt

am Spielfeldrand Prinzesschen stehen

laut die Namen der Idole krähen

ihre Kleidchen auf die Haut genäht

weil sie halten alle Diät:

Weichkäse  und Tomatensalat

manchmal Putenschnitzel zart

 

 

das Fussballleben von Mann und Sohn verdichtet zum heutigen Impuls

(Aber morgen bin ich mit von der Partie, Italien -Portugal :))

Frittata

Ihr habt Gemüse vom Vortag übrig und wisst nicht, wie’s weiter zu verwerten?

Hier ein leckerer Vorschlag.

Ich hatte Salzkartoffeln und Zucchini.

Ich machte eine Frittata daraus, einen Eierkuchen.

Gemüsereste  kleinschneiden und mit Eiern (sechs für 4 Personen) verquirlen. Je nach Belieben salzen und pfeffern, Muskat und geriebenen Käse dazugeben. In einer grossen Antihaft-Pfanne, vorher ein kleines bisschen Öl erhitzen :), zuerst auf einer, dann auf der anderen Seite ausbacken. (Zum Wenden nehme ich entweder ein grossen, flachen Deckel oder Teller.) Noch warm servieren.

frittata uno

frittata due

abgestaubt und auf ein neues!(untertitel: über brautwürste, hobbyküchen und bildschirme mit fisch)

Ui, jetzt wurde es mal wieder mehr als Zeit, das Blog zu pflegen. Kein Moment war günstiger als dieser: die Sommerferien sind aus und vorbei, die Schule hat begonnen und somit auch ein neues Geschäftsjahr für mich. Jedoch bietet der Monat September auch Ruhe und Freizeit. Ach ja, und ausserdem trudelte letztens eine Meldung ein, dass das Blog seinen 5. Geburtstag habe…da bekam ich ein schlechtes Gewissen.

Kleine Situationsanalyse: Während der Sommerferien habe ich viel getwittert. Es war eine reiche Zeit. Die drei Kinder sind im Schulalltag angekommen und übermorgen geht meine dritte Arbeitswoche zu Ende.

Ich wollte euch schon lange mal etwas über meine Arbeit erzählen. Wie verdiene ich  meine Brötchen, sprich panini ? In einem meiner letzten Beiträge (the mystery award) berichtete ich, dass ich Probleme mit der Anerkennung meines Diploms gehabt hatte und bin als Quereinsteigerin zum Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht gekommen. Inzwischen bastele ich an einer Ich-AG, die langsam am wachsen ist – je nach Vereinbarkeit mit der Familie. Das Thema Vor- und Nachteile der Selbstständigkeit will ich schnell abhaken: Viel Geld bleibt nicht übrig, aber ich habe meinen Spass. Die Arbeitszeiten sind sehr flexibel, die Konditionen prekär, die Auftragslage schwankend.  Trotzdem: mein Job bereichert mich, ich bekomme viel von den Menschen zurück und ich kann dankbar dafür sein, einer Arbeit nachzugehen, die Freude bereitet.

Meistens arbeite ich direkt mit  Firmen zusammen, ich gebe in den Büros Kurse für Angestellte diverser Abteilungen (Buchhaltung und Rechnungswesen, Kundendienst, Logistik und Spedition, Marketing und Messe) und ich habe auch oft direkt mit der Firmenleitung zu tun. So darf ich in tiefen Ledersesseln Platz nehmen und bekomme von AssistentInnen einen espresso serviert. Dann folgen die ‚klassischen‘ Sprachkurse an einer Sprachschule, die sind manchmal zermürbend, weil sie abends laufen und man immer wieder von Null  beginnt. Ich versuche, abwechslungsreich,  spielerisch  und trotzdem professionell zu sein. Es folgen Aufträge an den Schulen: Förder- und Konversationskurse, oft von der EU finanziert. Das macht mir Spass; ich werde von den Jugendlichen respektvoll ‚Prof‘ genannt, kann mir aber einen sehr lockeren Umgang erlauben (ich muss ja keine Noten geben), was automatisch die Angst vor der schwierigen Grammatik und die Hemmungen vor dem freien Sprechen nimmt. Selten kommen Übersetzungen oder Dolmetschdienste rein. Das coolste Erlebnis war, als das hiesige Gericht mich dazu ernannte, eine deutsch-italienische Steuerfahndergruppe zu begleiten.

Ich denke, dass ich meine Arbeit ganz gut mache, dass ich nach fast 20 Jahren Berufserfahrung kompetent bin und da jeder Kunde neue Inhalte mitbringt, im Laufe der Jahre sehr offen geworden bzw. geblieben bin. Monotonie kommt selten auf. Sollte ich jedoch meinen Erfolg an den lustigen Versprechern meiner Kundschaft messen, kommen jedoch Zweifel auf. Einer meiner Sprachschüler, wichtiger country manager und ein bisschen großspurig veranlagt, empfing mich kürzlich ganz glücklich in seinem Büro und erzählte strahlend: er habe seine Frau auf eine Geschäftsreise mitgenommen und sie hätten einen Abstecher in den Schwarzwald gemacht, wo sie die ‚besten Brautwürste ever‘ gegessen hätten. Da musste ich auflachen und erwiderte:“Ach, Sie meinen wohl Bratwürste.“ Vor den Sommerferien begleitete ich eine Studentin, die sich auf ein Diplom in Deutsch vorbereitete. Die Gute musste u.a. Zeitungsartikel zusammenfassen. Einmal ging es um den Sinn und Zweck der im Trend liegenden Kochshows. Grammatik und Satzbau beherrschte sie sehr gut, aber der Unterschied zwischen Hobbykoch und Hobbyküche kam ihr nicht sofort in den Sinn. Aber meine liebe S.  war auch nicht schlecht. Die Dame ist knapp über 50 arbeitet in einer multinationalen Firma und kommt einmal pro Woche zu mir, um ihre schon recht guten Sprachkenntnisse zu vertiefen. In ihrem Job geht sie wohl voll auf.  Woran ich das merke? Wenn es regnet, hat sie nie ihren Regenschirm, sondern ihren Bildschirm dabei. Unterhaltsam war auch der Satz in einem schriftlichen Test: “Wenn der Kühlschrank leer ist, gehe ich Bücher einkaufen:“

Jetzt will ich ja nu mal nicht so sein und mich als unfehlbar darstellen.  Auch ich verhaspele mich manchmal. „Modalverben“ wurden zu „verbi merdali“, also zu „Scheißverben“; ich taue nicht das Gefrierfach ab (sbrinare) , sondern ich „zerfleische“ es (sbranare) oder  nach einer langen Autofahrt vertrete ich mir nicht die Beine (sgranchirsi), ich knabbere sie (sgranocchiare). Wusstet Ihr, dass ich stinke? Nach Fisch stinke? Seit ich in Italien lebe, habe ich mich an Vieles angepasst; so auch an die schicke Mode/Wäsche. Mein Problem? Ich trage BHs aus „merluzzo“ statt „merletto“. Merluzzo bedeutet Kabeljau.