#dentrolastatua oder der San Carlone

endlich mal wieder etwas aus der rubrik „reisetipps“.

letztens feierten der mann und ulbarb 21. hochzeitstag.

das wetter war gut, die kids waren in der schule, er arbeitete im homeoffice und ich hatte nur einen abendkurs. so konnten wir uns ein paar nette stunden zu zweit erlauben. wohin?  auswärts essen! ach, komm, wir waren schon lange nicht mehr am lago maggiore!

in angera gingen wir in ein apulisches restaurant.  das schmeckt ungefähr so, als ob du auf einer nordseeinsel sitzen würdest und kässpätzle äßest. das essen war selbstverständlich lecker und reichhaltig und so gingen wir ein paar schritte am seeufer entlang. herrlich ruhige, gelbe stimmung mit blauem hintergrund: wolkenloser himmel im schönsten azzurro, erste bunt gefärbte laubbäume, ein paar boote, das wasser… und keine touristen.

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Angera, die Kirche am Seeufer

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Angera

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dann fuhren nach arona, also zum gegenüberliegenden ufer; die stadt und den see liessen wir links liegen. uns interessierte die begehbare statue ’san carlone‘. https://www.distrettolaghi.it/de/luoghi/statue-von-san-carlo. die statue liegt auf einer anhöhe und misst 35 meter. auch ohne die statue von innen zu besichtigen,  man bezahlt an einem kassenhäuschen neben dem parkplatz, hat man einen herrlichen blick auf den lago und die berge. aber der clou ist natürlich, diesen koloss von innen zu besteigen. über eine aussen angebaute wendeltreppe kommt man den sockel hinauf, dann führt eine weitere, enge wendeltreppe in den körper der statue hoch. nach einigen metern wird es extrem eng und man muss eine steile stiege hochklettern. dann landet der besucher im hohlen kopf und aus den öffnungen (augen, ohren, mund und nase) hat man einen einmaligen und unvergesslichen blick auf den see und die umgebung. es lohnt sich. im internet steht, dass nach der ‚lady liberty‘ der san carlone die zweithöchste begehbare statue der welt sei. na, das ist doch mal etwas, oder nicht?!

(kleiner tipp: erklettert den heiligen karl nicht im hochsommer. obwohl sich eine kleinere klimaanlage im inneren des monumentes befindet, entwickeln sich hohe temperaturen)

 

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Sonntagsspaziergang

Wenn bei uns, Grossfamilie, Sonntag ist, beginnt der Tag erst einmal mit einem Checkup eventueller Termine: hat die Kleinste Firmunterricht? wieviel Hausarbeit bzw. wieviele Hausaufgaben sind noch zu erledigen? gibt’s im Fernsehen Fussball?

Gestern hatten wir Glück. Niemand hatte etwas zu tun. Und wir planten eine gemeinsame Unternehmung. Als Großstadtrandmenschen haben wir eine breite Auswahl, denn innerhalb einer dreiviertel Stunde können wir entweder im Zentrum Mailands sein oder draussen in der Natur. Bei dem angenehmen Frühlingswetter ging’s raus. Wir drehten eine Runde im Naturschutzgebiet ‚Lago di Sartirana‘: der See liegt eine halbe Autostunde von Monza weg und gehört zur Stadt Merate, wo Schilder den Weg weisen. Es gibt einen Autoparkplatz und sogar einen kleinen Abstellplatz für Wohnmobile und die Runde um den See dauert, wenn man sich Zeit nimmt, eine Stunde. Schwierigkeitsgrad Null. Der Uferweg führt durch dichten Laubwald, an moorigen Stellen  oder angebauten Feldern vorbei, es gibt auf einer kleinen Insel einen bird-watching-Unterstand und immer wieder hat man einen fantastischen Blick auf die Alpen hinter Lecco.

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… und nun eine bisschen Biounterricht auf Italienisch:

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frapalymo november’17, sechsundzwanzigter impuls

Wortspielerei

 

Versteckte         Verstecke

Versteckte         Worte

 

Auf                        Handhäuschen

Hinter                   Bettküchen

Unter                   Gartenbaum

Neben                 Träumeregal

Zwischen           Tagholz

Inmitten              Birkendecke

Vor                        Weideschatulle

Über                     Schuppenbett

In                           Schmucktasche

An                          Kellernacht

Gegenüber           Kastentrauer

Bei                          Tischhobby

 

und der impuls dazu lautete: „verstecke“ bei frau paulchen.

Ulbarbs Deutschland (oder ‚Ziehen Sie eine Ereginiskarte!)

OMG!

der herbst ist da, aber immer noch nicht der beitrag meiner sommerferien in deutschland.

kleine entschuldigung: ich habe einen ähnlichen text in italienischer sprache abgefasst.

nun aber mal los:

einpacken, den ehemann und papa abknutschen, losfahren…

… und dann, nach etwas mehr als nur 400 kilometern war italien ganz weit weg und ich fand mich  in good old germania wieder.

mit meinem vollbepackten uraltfiat benötigten wir diesmal fast sieben stunden für die anreise. nicht nur, weil mein auto so langsam fährt, es gab halt mal wieder stau an der grenze und vorm gotthardtunnel. als binationaler pendler weiß man so was,  stellt sich darauf ein und wenn man das ziel erreicht hat, ist die freude noch grösser.

„omaaaa, wir sind daaaa,“ schallte es durch die ganze kleinstadtstraße, als ich den wagen in der garagenzufahrt meiner eltern parkte. dann atmeten meine bambini die luft tief  und genüsslich ein; ihrer meinung nach riecht die schwäbische landluft nach gülle und kartoffelsalat. recht haben sie!

und, was macht ulbarb so, wenn sie ‚dahoim‘  ist? sie klappert ihre privaten lieblingsorte ab, besucht freundinnen und probiert auch mal neues aus (beispiel der europapark-besuch). dementsprechend viele autokilometer fährt ulbarb ab, insgesamt ist sie dieses  jahr auf knapp 2000 gekommen.

um euch zu beweisen, dass ich ein landei bin und wir somit voll auf dem land geurlaubt haben, müsst ihr nur die folgenden namen lesen, die zu meinem üblichen bewegungsradius gehören,  und sie euch bildlich vorstellen: da gibt’s die wohnsiedlungen kälberrain und langwiesen, die orte albstadt, aufkirch, endingen, himmelreich (nach dem höllental), hausen vorm wald, talheim, mühlhausen,  schömberg, weilersbach und sogar eine freizeitanlage mit dem namen ‚kuhloch‘ .

einzelne stationen unter anderem waren: das schützenfest in biberach, das spaichinger freibad, die villinger altstadt, überlingen am bodensee…

ganz aussergewöhnlich war eine wanderung  mit klaus alias reticulum   auf der alb. seit jahren schreiben wir beim frapalymo mit und hatten nun die gelegenheit,  uns persönlich kennenzulernen. wie ihr euch wohl vorstellen könnt, ein ausflug mit viel emotionen und tiefgang.

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entlang des albtraufs und blick auf die ‚hohenzollern‘

dass ich tagsdrauf auch noch  zwei meiner ’schreibweiber‘ in konstanz wiedertraf, eins davon ist https://www.schreib-t-raum.de/ bzw. schreibtraum, machte mein persönliches glück perfekt.

es fand sich auch zeit, den kindern einen einblick in die vergangenheit ihrer mutter zu zeigen. wir fuhren nach ravensburg, dort habe ich mal  gewohnt und berufspraktika absolviert. komischerweise kam mir alles viel kleiner und beschaulicher vor. und der typische, deutsche, kalte regen verhunzte uns auch noch den besuch des lokalen naturseefreibades. aber nicht nur von mir konnte ich berichten (wo ich arbeitete,  in welche  kneipen ich ging, dass ich an der vhs italienisch-sprachkurse belegte), sondern auch von dem ‚papà‘, der  mich damals, sobald er die gelegenheit hatte, mich besuchen kam. er hatte seinen ersten job, sein erstes auto und fuhr freitags nachmittags los, kam um mitternacht an und blieb bis sonntag in der früh)

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dann ließ ich die kleine und den grossen bei meinen eltern und fuhr mit der mittleren nach berlin. das war sozusagen eine ‚aufregende belohnung‘, die gute hatte im juni die mittelschule erfolgreich abgeschlossen.

jedes meiner kinder hat einen eigenen zugang zu deutschland. alle lieben die tatsache, dass sie zwei kulturen in sich tragen. sie versuchen sich, in der zweiten muttersprache, also meine, auszudrücken, genießen, im vergleich zu ihren freunden und klassenkameraden, diese art ’sonderstaus‘.  sie finden es cool, dass sie eine ‚mama‘ haben und nicht eine ‚mamma‘.

die mittlere tochter ist unser ‚käpsele‘. während einer spree-fahrt suchte sie sich ganz bewusst den audioguide in deutscher sprache aus und  einen tag später verbrachte sie viereinhalb stunden in der ‚antiken sammlung‘, um sich auf den besuch des ‚ginnasio classico‘ vorzubereiten.  so manch‘ andere 14jährige hätte sich für ein alternativprogramm entschieden. dann hat sie diese nachdenkliche seite; mit sich im unseins,  sinnierte sie lange darüber nach, ob sie sich mehr italien oder deutschland zugehörig fühle. ihr fazit: eine wortneuschöpfung.  sie sei eben ‚ausheimisch‘. wie ich sie kenne, diese zerrissenheit!

die kleinere tochter ist eher praktisch veranlagt. sie will, sobald sie alt genug sein wird, beim tierschutzverein mithelfen und später zoologin werden. in italien leben wir sehr städtisch. hier liebt sie es, so schnell draussen in der natur sein zu können. klaus erfand den passenden  spitznamen ‚hennenflüsterin‘.  (ja, ich weiss, auf dem unteren foto ist aber ein reh abgebildet!)

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der große lernt deutsch an der schule und die ferien machten ihm ‚feldforschungen‘ möglich. während er fern sah, kommentierte er :“in deutschland geht’s in der werbung hauptsächlich um bier, in italien um damenbinden!“ beim monopoly-spielen konnte er seinen wortschatz  erweitern: schönheitswettbewerb, kreuzworträtsel, strassenausbesserungsarbeiten. er wird die vokabeln bestimmt in seine b2-prüfung einbauen, gell?

ich habe auch mal eine ereigniskarte gezogen, die da lautete: „wandere nach italien aus, um mit deinem herzmann glücklich zu werden. vergiss aber weder deine wurzeln noch deine familie und freunde. ziehe an der grenze kein geld ein und suche das nächstliegende ‚commissariato‘ auf, um die aufenthaltsgenehmigung zu beantrage. begebe  dich nicht direkt nach monza, sondern verweile einige monate in torino. gebäre drei kinder, mache dich selbstständig und bewältige das leben mit geduld und spucke!“

 

Sardinien in Bildern

Im August verbrachte ich die Familienferien auf der Mittelmeerinsel Sardinien. Es war das dritte Mal, das ich dort war. Stets der gleiche Ort, die gleiche Ferienwohnung, nur die Kinder sind größer geworden. Da ich fleißig  über den Urlaub getwittert habe, stelle ich nur eine paar Fotos ein und lasse diese sprechen.

Es steht noch ein Artikel über meinen Deutschlandaufenthalt im Juli aus; der wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, aber ich möchte hier gerne meine lieben Leser grüßen und ihnen zum nahenden Sommerende einen guten Start in den Alltag wünschen.

Wenn Ihr euch auf Sardinien einstimmen wollt, könnt ihr ja mal hier reinhören: sardische Musik.

 

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auf der Faehre nach Olbia, im Hintergrund die Tavolara-Insel

 

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Blick von unserer Veranda in den Abend hinein

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Volksfest in Sassari „la Faradda“, 12 verschiedene tanzende Maennergruppen tragen riesige Holzkerzen durch den Ort

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Sassari

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die Murales in Orgosolo. “ inneres und aeusseres Schutzschild“

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“ es badarf einer besseren Welt“

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Souvenirladen

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in Mammoiada im (Karnevals-)Maskenmuseum

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ca. 5000 Jahre alter Menhir in Mammoiada

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Pferderennen (palio) in Montes

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Costa Corallina und mein Fuss

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Baden im Sonnenuntergang in der Cala Finanza

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Eisdiele in Olbia

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Am Strand von La Caletta

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Abendessen in Budoni, hier gemischter Salat mit Walnuessen und Pecorino und Orangen

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Hafen in Olbia

über unsere reise in die abruzzen (teil zwei)

 

hier sind wir also wieder. in den abruzzen.

auf dem wunschzettel meiner schwiegermutter standen die ortschaften castelli, giulianova, mosciano und teramo.

castelli ist ein touristenmagnet, die stadt ist berühmt wegen der dort hergestellten keramikwaren. franca wollte mitbringsel einkaufen. mmmh, ich muss mich korrigieren. castelli war ein touristenmagnet: wir trafen auf eine fast ganz verlassene, kleine stadt, die von den letzten erdbeben so stark beschädigt wurde, dass viele einwohner sie verlassen haben und besucher ausbleiben. die leiderfüllte stimmung war kaum auszuhalten und wir fuhren relativ schnell weiter, um eine kirche zu besichtigen.

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im hintergrund des fotos erkennt man deutlich den einsturzgefaehrdeten und deswegen abgesicherten kirchturm.

im hintergrund des fotos erkennt man deutlich den einsturzgefaehrdeten und deswegen abgesicherten kirchturm.

 

das ist hier die innenansicht der kirche san donato. die decke ist mit majolikafliessen dekoriert.

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unser plan war eigentlich, auf der bergstrasse, die hinter der kirche steil ansteigt, ein bisschen weiter hinauf zu fahren, aber bald kamen wir zu absperrungen und realisierten erst jetzt, das wir uns ganz in der nähe von rigopiano befanden. die gedanken an das lawinenunglück lähmten unsere unternehmungslust; wir machten uns auf den  heimweg.

meine schwiegermutter war am ende jedes urlaubstages ermattet aber zufrieden. die abendstunden vertrieben wir uns in der ferienwohnung mit kartenspielen. italiener lieben kartenspiele!

in giulianova habe ich nichts fotografiert. es handelt sich um einen klassischen küstenort. aber dort steht eben ein ganz bestimmtes hotel, in dem franca bis hin in die sechziger jahre hinein sommerurlaub machte, es gibt ‚ihre‘ strandpromende mit einem ganz bestimmten lido in dessen bar wir unbedingt ein eis probieren mussten.  ein paar vergnüglichen stunden am strand rundeten den aufenthalt hier ab.

nun ein paar stimmungsvolle eindrücke aus der bergwelt. ausgiebige spaziergänge kann man mit meiner schwiegermutter nicht mehr machen, aber man konnte die kurvigen strassen abfahren, ab und zu mal anhalten, picknicken und die aussicht geniessen. irgendwann will ich noch mal  hier in die berge. mich inspiriert campo imperatore, eine hochebene,  zur provinz l’aquila gehörend, auch das ‚tibet italiens‘ genannt.

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mosciano sant’angelo liegt  abseits der normalen touristsichen routen. aber  hier steht immer noch das ehemalige haus des vaters des vaters meiner schwiegermama. und hier wohnt auch noch eine freundin (und nachbarskind) von franca. seit 65 jahren hatten sich die beiden frauen nicht mehr gesehen und wir begleiteten an einem nachmittag franca zum kaffeetrinken. die beiden hatten sich viel zu erzählen, die enkel wurden mit sehr viel schokolade ruhig gestellt und der ehemann schilderte meinem mann und mir seine erinnerungen, als sein vater  zur zeiten des duce in dem ort hier bürgermeister gewesen war. als die freundin mitbekommt, dass ich deutsche bin, bricht sie in tränen aus, weil sie immer noch von deutschen soldaten träumen würde, die sie, damals um die 12 jahre alt, mit ihrer mutter zusammen gesund gepflegt hätten. und immer wieder betonte sie:“ das waren noch kinder, das waren noch so kleine jungs!“

heute

heute

damals

damals

in teramo, fast 54 800 einwohner, besichtigten wir nicht so viel. als wir richtung altstadt fuhren, erkannte franca die strasse, in der sie geboren wurde und eine kleine parkanlage, in der wohl ihre mutter sie im jahre 1937 im kinderwagen spazieren fuhr. wir konnten ihr herz klopfen hören!

wir hielten uns auf dem domplatz und in den umliegenden einkaufsstrassen auf. der dom ist ein ganz kurioses bauwerk: mit vorder- und hintereingang, so etwas habe ich bei kirchen noch nie gesehen. im internet steht, dass der dom aus einer fusion zweier kirchen entstand.

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das ist die rueckseite

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und das ist die vorderfront

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im innenraum des doms

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in einer seitenkapelle sahen wir diese krippe aus neapel

leider wurde es zeit, wieder an die heimreise zu denken. auf ihre diabetis pfeifend kaufte sich franca eine tüte anisgebäck als proviant, das nach kindheit und glück schmeckte – und wir durften alle auch mal probieren.

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auf der fahrt richtung norditalien legten wir einen zwischenstopp in san marino ein. aber auf dem ollen berg, monte titano (739 meter hoch), war es windig und bitterkalt, so dass wir uns nur zwei stunden im ausland aufhielten.

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die seilbahnstation in san marino

so, nun habt ihr einen kleinen einblick in eine unvergessliche reise gehabt.

lieber leser,  die sommerferien stehen vor der tür!

ich werde euch bald mit einem weiteren reisebricht beglücken: auf nach sardinien!

über unsere reise in die abruzzen (teil eins)

im april waren meine familie und ich in den abruzzen unterwegs gewesen. erst jetzt, in der sommerpause, komme ich dazu, euch etwas über diese fahrt zu berichten, denn ich muss ziemlich weit ausholen:

wir sind nicht einfach nur so aus spaß losgefahren. mit von partie war meine schwiegermutter, die vergangenen winter achtzig jahre alt geworden ist und wir schenkten ihr eine reise in ihre heimat.

mein mann hat einen suv, so gibt’s ausreichend platz für sechs personen (drei kids im alter von zehn, dreizehn und siebzehn, zwei mitvierziger, und eben die ‚nonna‚, sprich ‚oma‘) und deren gepäck. in der vorsaison war es auch nicht kompliziert, eine passende ferienwohnung zu finden. perfekte vorbedingungen, also.

meine schwiermutter, ihr name ist franca, verstand die welt nicht mehr, als sie von dem geschenk erfuhr. ich denke, grund ihrer unendlichen freude war auch die tatsache, dass sie ihren ehemann zu hause lassen durfte!

ich kann mich glücklich schätzen, denn ich kenne franca seit fast dreissig jahren und wir hatten nie grössere zwistigkeiten. diese ganzen horrorgeschichten, die sich um schwiegermütter drehen, kenne ich nicht. sonst wäre diese reise auch nie zustande gekommen! ihr leser könnt  euch franca als eine gelungene mischung aus ‚mamma‚ und ‚signora‚ vorstellen: eine liebevolle, grossherzige dame, die noch im hohen alter und trotz vieler gesundheitlicher einschränkungen sehr viel wert auf sich legt. in meiner rolle als schwiegertochter musste ich nur darauf achten, dass franca ihre handtasche, in der sie  lippenstift und smartphone hütet,  und ihre krücken stets in der nähe hatte und ihre vielen, vielen Pillen, die sie schlucken musste, rechtzeitig einnahm.

ein regisseur hätte hier stoff für einen romantisch-nostalgischen familienfilm gefunden: es ging nicht nur um die fahrt an sich, es ging um erinnerungen, um die wichtigkeit von kindheit und vergangenheit, um das zusammenspiel zwischen den enkeln und der grossmuter, um die herkunftsgeschichte meines mannes und seiner beziehung zur mutter und auch um den platz, den ich in francas geschichte einnehme.

hier meine fotostrecke:

von uns aus sind es in die abruzzen 560 kilometer. in modena legten wir unsere mittagspause ein. geboren wurde  meine schwiegermutter in teramo, aber da ihr vater in modena arbeitete, verbrachte sie dort bis kurz vor dem kriegsende ihre kindheit. nach dem krieg, das haus wurde zerbombt, zog die famiglia toscani nach torino um, wo verwandte lebten, die hilfe angeboten hatte.

kleiner stadtrundgang durch modena:

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das wahrzeichen modenas: la ghirlandina, der glockenturm des doms

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kaffeepause

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ein weiteres wahrzeichen der stadt ist die accademia militare

während den jahren in modena und solange der vater noch lebte, verbrachte franca die sommermonate in den abruzzen, denn dort stand noch ein haus aus familienbesitz.

unser ferienappartement befand sich in Montesilvano; netter und typischer badeort an der adria. zwei wichtige ausflugsziele standen auf dem programm: pescara und città sant’angelo.

in pescara erkannte franca nichts mehr, auch die hauptgeschäftsstrasse mit dem sogenannten ‚wohnzimmer-platz‘ (piazza salotto), wo sie, ihre mutter und ihre schwester zu flanieren pflegten, blieb eine enttäuschung. aber sie war stolz darauf, diese fußgängerbrücke erklommen zu haben:

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‚il ponte‘ von pescara

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am strand

città sant’angelo kannte meine schwiegermutter nicht. das ist eine kleinstadt, die oberhalb montesilvanos liegt und zu den schönsten städten italiens zählt. ein besuch und ein spaziergang durch die pittoreske altstadt lohnen sich. das panorama (meer und berge) ist atemberaubend und man kann verstehen, was den wahren zauber dieser region ausmacht. die wilde bergwelt ist so nah, dass das meer nur zur hintergrundskulisse mutiert.

lasst die bilder auf euch wirken!

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in einem reisebericht dürfen hinweise auf die küche nicht fehlen:

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nach einem langen urlaubstag belohnen wir uns mit einer lokalen spezialitaet: gli arrosticini aus schafsfleisch.

und hier ein bild unserer reisegesellschaft:

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von links nach rechts: fede, ulbarb, cate,alex, betz und die nonna

die italiener haben diesen herrlichen ausdruck „una botta di vita“ , wortwörtlich übertragen wäre das ein ‚lebensknall‘,  sozusagen eine extraportion leben. ja, manchmal braucht man das.

bei teil zwei könnt ihr uns weiterlesen, danke!

Mal wieder Mailand/ nuovamente a milano

Hoch hinaus ging’s gestern, als wir unserem Wochenendbesuch Mailand zeigten.

Zur Zeit kann man sonntags zum Belvedere hochfahren und eine gigantische Aussicht über die Stadt genießen.

Hier ein paar Bilder aus dem 39. Stock (ca. 150 Meter hoch):

un paio di fotografie, fatti dal belvedere della torre della regione lombardia. un panorama mozzafiato dal trentanovesimo piano: 

Milano, Palazzo della Regione

der Palazzo della Regione Lombardia, von unten und aussen betrachtet

Milano

Ausblick auf den Hauptbahnhof

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Panorama, das Unicredit-Hochhaus

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im Belvedere

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Spiegelungen

 

Agliate

Stünde diese Basilika in der Toskana oder in Ligurien, wäre sie mit Sicherheit eine gut besuchte Sehenswürdigkeit. Nun aber liegt die Santi Pietro e Paolo-Kirche weitab vom Massentourismus, in der Provinz Monza e della Brianza, die sich, eingequetscht zwischen Mailand und Lecco, befindet. Eine ziemlich liebliche Gegend. Na ja, vielleicht früher mal. Heute gibt es kleinere und grössere Städte mit ihrem Alltagsleben, viel mittelständische Industrie und noch viel mehr Strassen, die alle nach Mailand führen; vereinzelt und gut versteckt liegen dann nette Ausflugsziele wie Imbersago an der Adda oder Montevecchia, das auf einem Hügel thront und bei klarer Sicht ein tolles Panorama bietet. Oder eben dieses Kleinod.

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romanischer Kirchenbaustil, 10. Jahrhundert

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die Krypta

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besondere Bedeutung kommt dem Battistero, der Taufkapelle zu. Meine Tochter hat sogar im Kunstgeschichtunterricht davon gehoert, denn das Battistero hat neun Aussenwaende, eine ungewohnliche Zahl.

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man beachte das Taufbecken und die Fresken

Hinter der Basilika liegt ein kleiner Park, in dem man verweilen kann oder man setzt sich an den Fluss:

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wenige Meter hinter der Basilika fliesst der Lambro an naturbelassenen Ufern vorbei.

Im Dorf, es gehört zur Gemeinde Carate Brianza, trifft man noch auf die uralte und typische Wohnform dieser Gegend: ‚il cortile‘, das waren einfache, niedrige, kleine, jedoch mehrere (Bauern-)häuser, die dann zu grossen Vierecken zusammengebaut wurden und einen einzigen Innenhof, den cortile, teilten.

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mit essen spielt man nicht! oder?

venedigs carnevale ist weltberühmt, aber wer kennt schon ivrea?

die stadti ivrea liegt in piemont und feiert seit etwas zweihundert jahren seine orangen-schlacht, die battaglia delle arance, clou einer serie an weiteren manifestazioni.

ja, orangen,  denn diese werden auf die besucher geworfen. übrigens, hihihi, im mittelalter nahm man bohnen. so kann sich ein jeder ausmalen, was sich angenehmer anfühlt.

und am faschingsdienstag gibt es noch ein riesiges feuer, auf einem der plätze in der altstadt, das die  zeit der narren verabschiedet und die fastenzeit einleitet.

der ursprung liegt im mittelalter; eine müllerstochter wehrte sich standhaft gegen einen barone und zettelte einen aufstand gegen diesen an.

teilnehmer bzw. besucher tragen eine strumpfähnliche, rote mütze, den berretto frigio, der, in anlehnung an die französische revolution, freiheit symbolisiert. die ‚aufständler‘, zu fuss, kämpfen gegen die ‚adligen‘, die auf pferdekutschen daher kommen. man zählt 4000 revoluzzer, die in 9 mannschaften aufgeteilt sind und es gibt 50 pferdekutschen mit 10 – 12 personen. und alle beschmeißen sich gegenseitig mit orangen.

stellt euch mal das choas vor!

die ersten feierlichkeiten begannen schon am 6.1. und werden am aschermittwoch, es gibt für das publikum polenta und kabeljau, enden.

hier der link.

und meiner leserschaft ein herzliches narri-narro!