Liebe, virtuelle Welt! Einmal Daumen drücken, bitte!

Intensiv. Gerade ziemlich intensiv, Gespräche, Ängste, Hoffnungen, Träume.. die Zukunft eines der drei Kinder ist Thema.

Gestern bekam die mittlere Tochterfrau ihr Halbjahreszeugnis, das wir auf der Internetseite der Schule abgeruft haben. Aus ist es mit Papier, Zeugnis nach Hause tragen und unterschreiben lassen. Alles im grünen Bereich. Freu 🙂

Irgendwann im Februar gibt’s bei der kleinen Tochterfrau auch Noten; bis nächstes Schuljahr darf sie sich noch als ein freier Mensch fühlen, dann geht’s an die Wahl der passenden Oberschule und es gibt das erste, richtige Abschlussexamen…

Vorgestern veröffentlichte das Schulministerium die Fächerkombinationen für das Abi 2019. Ein von allen Betroffenen lang erwarteter Tag. Yepp. Abitur ist DAS Thema in unserer Familie, der  Sohnemann wird im Sommer die Schule beenden. Jetzt, da klar ist, was genau ‚drankommt‘ wird die Büffelei losgehen. Irgendwie bin ich aufgeregter als zu meiner Zeit. Mutterherz und Muttersorgen eben.

Um das Abi ablegen zu können, musste der Sohn ein Formular ausfüllen und wir Eltern den Antrag unterzeichnen. Auf der Post musste eine Art Schulsteuer, knapp 13 Euro einbezahlt und die Quittung dem Antrag angehängt werden. Ich liebe sie -nicht- diese italienischen, bürokratischen Absurditäten! Ich finde es ungeheuerlich, dass man für Schüler ab 16 eine Steuer errichten muss. (Und Anfang Mai werden wir erfahren, ob das ‚Kind‘ offiziell zum Abi zugelassen wird.)

Nun ja, jetzt geht’s also um die Wurscht: Halbjahreszeugnis abwarten, weiterhin Noten und Punkte sammeln, Ausgleiche schaffen. Auf dem Plan stehen Italienisch (schriftlich), Englisch und Deutsch (schriftlich) und Spanisch und Physik (mündlich und mit einer externen Kommission). Die Prüfungen werden erst nach Beendigung des Schuljahres geschrieben, dann, wenn alle anderen schon Sommerferien haben werden.

Die Ferien werden sowieso kurz sein, denn wenn der Sohn auf die Uni will, muss er sich auf Zulassungsests vorbereiten. Der grosse Traum wäre eine Karriere bei den Carabinineri. Aber auch dort gibt es Auswahlverfahren zu bestehen. Erste Anfragen sind schon online abgeschickt worden, und nun wartet er auf eine Einladung nach Rom. Vielleicht wohnt er ab September gar nicht mehr bei uns.

Seinen Weg wird er finden, da habe ich keine Zweifel, ihr versteht jedoch nun, warum wir ein paar gedrückte Daumen mehr gebrauchen könnten. Ihr könnt aber auch, nach italienischer Sitte, den  Mittel- über den Zeigefinger kreuzen.

P.S.: Stellt Euch mal vor, hier gibt es keine Abizeitung, keinen Abistreich, keinen Abiball, keinen Abi-Autoaufkleber. Nichts. Niente.

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Ein Tag, zwei Feste

Herzlich willkommen zurück, auch mein Blog ist im Jahr 2019 angekommen.

Heute ist der letzte Sonntag meiner Weihnachtsferien, morgen starten hier 5 Leute durch. Die Umstellung wird nicht einfach, denn mehr oder weniger waren wir in den letzten zwei Wochen eher untätig gewesen. Seit zwei, drei Tagen spüre ich einen leichten Anflug an Tatendrang, habe sogar schon ein paar Erledigungen erledigt, und nehme diese Stimmung als Zeichen, dass ich recht erholt und  ausgeschlafen in den Alltag wechseln kann.

Heute ist aber auch ein Sonntag, auf den zwei Festivitäten fallen. Es ist Heilig-Drei-König, besser Epipfanie, und in Italien zeitgleich ‚Befana‘. Eine alte, hässliche Dame in Hexenkluft und mit löchrigen Socken fliegt auf ihrem Reisigbesen durch die Nacht des 5.1. und beschenkt die Kinder mit reichlich Spielzeug, Süssigkeiten und Kohle (essbare).

Meine nun fast 16 jähirge Tochter ließ mich, während sie mich gnädigerweise zum wöchentlichen Großeinkauf begleitete, wissen, dass sie (also drei Kids) sich noch gerne über einen mit Bonbons gefüllten Wollstrumpf freuen würden. Gut, so soll’s sein. Heimlich besorgte ich also all das, was ihr Gaumen begehrt – und die Freude war gross.

In Monza, der nahe liegenden Provinzhauptstadt, gibt es seit Jahren eine von Familien innig geliebte Veranstaltung: ‚la befana in moto‘. Der hiesige Motorradclub organisiert jedes Jahr eine Art Umzug durch die Innenstadt – und tatsächlich, heute Vormittag, auf dem Weg zur Kirche, erblickten wir drei Hexen und einen der drei Könige, wie sie auf den Motorräder vorbeiflitzten. https://giornaledimonza.it/notizie/attualita/ (unter ‚Befana Sprint‘ solltet Ihr einen Artikel und Video finden)

Mein Mann hat  aus seiner Herkunftsfamilie eine nette Tradition übernommen. In Italien werden die Krippen ja schon Anfang des Monats Dezember aufgestellt. Das Jesuskind legen wir aber erst am Abend des 24. 12. hinein. Und am 6.1. darf die Jüngste unserer famiglia die Drei Heiligen Könige ganz nah um die Krippe herumstellen. Normalerweise stehen sie etwas abseits.  Ein Blick auf unsere Krippe:

Krippe

Krippe

 

Zu unserer kulinarischen Tradition gehört ein feines Fleischfondue. Mit einem feinen Salat als Beilage. Und der geht folgendermassen: man nehme ca. 2oo gr Feldsalat; dieser wird mit zwei hart gekochten Eiern (in Scheiben geschnitten), 50 gr. angebrutzelten Speckwürfeln, einer Handvoll klein geschnittener Nüsse und einem EL Röstzwiebeln vermischt, gesalzen und mit,  je nach Belieben, Olivenöl und Balsamessig angemacht. Der Clou sind die Kichererbsen. Eine Dose küchenfertige Kichererbsen abtropfen lassen, mit Paprika aromatisieren und unter den Salat heben. Schmeckt super! Und schaut so aus:

Kichererbsensalat

Kichererbsensalat

So. Für einen ersten Post in diesem Jahr, war’s das.

Ich grüsse Euch noch mit dem Titel eines zum Anlass passenden Kirchenliedes:

Alzati rivestiti di luceWeiterlesen

Entschlackungsfenchel (nicht ganz so ernst gemeint)

Liebe Leser und Leserinnen!

Ich bin so was von erstaunt!

In allen Blog- und Twitteraccounts, denen ich folge, dreht es sich fast nur noch ausschliesslich um Adventskalender, -türchen, -bäckerei, um Weihnachten eben. Wie schaffen die das?

Wow. Also ich bin völlig ausgelastet mit der Alltagsbewältigung. Die Vorbereitungen auf Heilig Abend laufen nebenher. Irgendwie. Halt. Trotzdem will ich kurz meinen Spekulatius, ach nein, man sagt ja „Senf dazu geben“. Kurze Situationsanalyse: ich kann durchatmen, mir geht’s gut soweit, denn das Gros an Geschenken haben wir im Netz bestellt oder in Einkaufszentren aufgetrieben, wo man alles finden kann. Ich habe auf althergebrachte Weise Karten geschrieben, ein Paket gerichtet und alles abgeschickt (- selbst noch nichts erhalten). Somit ist der stressigste Teil ist abgeschlossen.

Als halb-italienische Familie haben wir dieses Jahr sehr spät das Bäumchen und die  Krippe aufgestellt, es war schon Montag, der 10.12. Und zum Backen und,  als Nebeneffekt, Töchter glücklich machen, musste ich im Terminkalender einen Tag frei  halten. Vorgestern standen Ausstecherle (eine Sorte mit Marzipan) und Vanillekipferln (mit geriebenen Pinienkernen) auf dem Programm. Nebenher (schon wieder dieses Wort!) musste eine Tochter Mathe lernen und die andere zu ner Klassenkameradin und eine Partnerarbeit für Geschichte fertig machen. Trotz diesen Widrigkeiten sind die Kekse super geworden. Als halb-deutsche Familie haben wir es sogar geschafft, die engste Verwandtschaft und zwei Weihnachtsmärkte zu besuchen; der mit Schwesterherz getrunkene Glühwein war die Fahrerei wert und das gigantische Essen bei meiner italienischen Schwägerin am 25.12. ist mir so was von egal. Mich interessiert der 24. Dezember. Und den feiern wir bei uns zu Hause.  Dieses Jahr habe ich mir einen Luxus erlaubt und habe beim Metzger vorbestellt, am Montagvormittag hole ich Perlhuhn, das ich im Römer braten werde.

Für Freunde hatte ich auch Zeit: letztens lud mich meine schwäbische best friend, die ich hier in der Nähe hab‘, zum Adventsfrühstück bzw. -schwatz ein.  Mit meiner Weiberclique liefen wir an einem Vormittag den Markt in Monza ab und gingen in eine Sushi-Bar einkehren. Ein extrem cooles Gefühl überkam mich, als ich dort sass und um Viertel nach eins meinen Sohn vorbei latschen sah… Er musste auf den Bus und nach Hause, weil ich ihm aufgetragen hatte, für sich und die Schwestern Mittag zu kochen. Hehehe.  Schlussendlich, am vergangenen Sonntag hatte ich fein zu einer merenda sinoira geladen. Ach, ja, ihr wisst wohl nicht, was das ist.

Allora, inzwischen weiss jedes Kind, dass ein brunch ein breakfast-lunch ist, nicht wahr? Die merenda sinoira ist die italienische Antwort darauf, nur ein bisschen älter und um einige Stunden verschoben: es ist eine Mischung aus Vesper und Abendessen und es werden in der Regel antipasti und primi gereicht.  Wir begannen um 18 Uhr zu essen und sassen um halb neun immer noch am Tisch. Es gab Salami, Käse, Kartoffelteig-Croissants, Blätterteigtaschen, Gemüsetarte, gefüllte Paprika, Salate, Schokoladentorte und  pan del marinaio, Früchtebrot aus Genua.

Die Gemüsetarte ist ganz einfach und schnell zubereitet: ein runde Kuchenform mit Backpapier und fertigem Blätterteig auslegen. Für die Füllung zwei Eier mit 500gr. Ricotta mischen und je nach Belieben salzen und mit Muskat würzen. Einen kleinen Kopf Radicchiosalat waschen und in feine Streifen schneiden und in einer Pfanne leicht andünsten. Abkühlen lassen und dann mit der Eiercreme verrühren.  100 gr. in Würfel geschnittenen Scarmorzakäse dazugeben und alles auf den Teig geben. Nach Belieben mit Reibekäse und Semmelbrösel bestreuen und ca. 20 Min im vorgeheizten Umluftofen bei 180 Grad backen. Lauwarm servieren.

Radicchiotarte

Radicchiotarte

Mein highligt soll aber der Fenchel sein, der taucht ja schon im Titel auf und ist ideal, um sich, vor oder nach den Feierlichkeiten, leicht zu ernähren. Also, spotlight an:

Fenchel

Fenchel

Pro Person nehme man einen Fenchel. Dieser wird gewaschen, geputzt und in feine Streife/Ringe geschnitten. Diese auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen, leicht salzen, Oliven und ein bisschen Olivenöl dazugeben und im vorgeheizten Umluftofen bei 160 Grad ca. 15 Min weich werden lassen. Warm servieren.

So. Das war mein Weihnachtsbeitrag. Ich hoffe, Ihr habt einen kleinen Einblick in meine vorweihnachtliche Existenz erhalten.

Liebe Blogfreunde, ich wünsche Euch allen von Herzen gesegnete Weihnachten. Mögen Friede, Freude und liebe Menschen bei Euch zu Gast sein. Kommt gut ins Neue Jahr und ich wünsche Euch Gesundheit, Wohlergehen, Glück und viele neue Inspirationen.

Fürs Lesen und Folgen

Vergelt’s Gott

Eure ulbarb Weiterlesen

frapalymo november 18, „licht“

der letzte Impuls, der letzte #frapalymo-Tag für dieses Jahr. Thema war „Licht“.

 

Manchmal, er ist launisch,

steht er am Rande

des Fensterausblickes

 

sein Gestein trägt blau

aber heute kleidet er feinste

Wintergarderobe

 

er spielt der Sonne und

bei Wetterlagen

Streiche versteckt sich

oder stellt sich ins richtige Licht

der Resegoneberg.

 

 

Kleine Anmerkung: der Resegone ist der Hausberg von Lecco, wird zu den Alpi Orobie (Voralpen Bergamo) gezählt und machmal, aber eben nur machmal baut er sich vor meinen Fenstern auf. als obe er noch einen anderes Domizil hätte.

 

 

frapalymo november 18, „kitschgedicht“

Ciaone!

 

In der Fremde

Frauenfreundinnen

gefunden.

abbracci

bellissima carissima

dolce sei

Mag’s auch kitschig klingen

es ist das Temperament das

achtungsvolle baci bacioni

 

Ich hatte zwei Ideen, habe nun zwei „Kitschgedichte“, noch unfertig, aber veröffentlichbar, hoffe ich mal. #frapalymo

 

Dirndl

stets gehasst

weiß berüschte Bluse

für die Kirche am Sonntag

Trachtenpüppchen

 

 

 

frapalymo november 18, „rabe“

der heutige impuls hieß: „gleiche anfangszeile für alle – beginnt eure texte alle mit: „du, weißt du, wie ein rabe schreit“ – der anfangszeile des gedichts „du, weißt du“ von selma meerbaum-eisinger .

 

du, weißt du, wie ein rabe schreit∗

ja, du, ich weiß, wie ein rabe

dort drüben sich wärmend

am kamin von nachbars first

gekrallt

sitzt

aus

seinem gefieder

nebel melancholie verderben

streut

 

du, weißt du, wie ein rabe schreit

wenn Sonne ist?

 

#frapalymo

frapalymo november 18, „cento“

die aufgabe lautete, ein „cento“ bzw. ein flickengedicht zu schreiben. hier könnt ihr alles und alle anderen (nach-)lesen. ich habe mich auf meine Gedichte dieser #frapalymo-Ausgabe bezogen; nicht immer die komplette Textzeile benutzt.

 

er war gut so

dort fliegt der Zufall

wollte

Menschen

Geschichten

ob gross oder klein

die Kleider ablegen

den Rest verpackt

Kopf Wort Auge Hand atmen lassen

dichtend

immer weiter im Wortort

die Kleine

die lange die kleine blieb

bewohnt das Wort

ich bin

mensch und zerbrechlich

ich wünschte

ich könnte  kreisen abwarten hoffen

unendlich sich wiederholend

vertraut auf die Zeit

in Pergamentfalten reifen

frapalymo november 18, „flucht und asyl“

ich bin gast

aus mitteleuropa

dank oktoberfest und merkel

hoch angesehen.

 

menschen, die ich kenne,

aus albanien wollen wieder zurück

aus rumanien zogen letzten monat weiter

aus marokko machten tolle kindergeburtstage.

 

ich bin gast

aus mitteleuropa

und sehe fern:

die inseln hier

ob gross oder klein

sind arm und zerbrechlich und wissen nicht weiter

wohin mit den särgen

 

ich bin gast

aus mitteleuropa

und habe das geld für den reichsten

supermercato hier

und der zufall wollte

dass ich die schweigeminute für lampedusa

zwischen den mehr als mannshohen regalen

beging

 

ich bin

mensch und beweinte

die toten.

 

 

ein tiefgehender impuls, „flucht und asyl“, heute bei sophie paulchen.

frapalymo november 18, „kindheitshelden“

es war einmal ein

spinn-nicht-rum-gerufe.

aber die kleine

die lange die kleine blieb

spann geschichten

immer weiter

auf dem schulhof im garten

im dunkeln unter der decke

und floh mit freibeutern

in den wilden westen, nach schweden, nach kroatien.

und wenn sie nicht gestorben ist, dann spinnt sie auch noch heute.

 

Kinderhelden und Kinderheldinnen hatte ich einfach zu viele, als dass ich für den heutigen Impuls eine einzige Figur hätte auswählen  können.