frapalymo-Gedicht Nr. 25

Faltanleitung

Aus kleinsten Stückchen Papier

knitterfreie Welten erschaffen

Kranichflügel nach innen falten

Rabenkrallen knicken

Kolibrischnabel exakt ausformen

Schwalbenschwanz nach links klappen

Spatzengefieder wenden

und loslassen

 

… und noch ein haiku:

papiervogelkind

sommers nicht flügge werden

nur schön zu sehen

 

Beide Werken zum heutigen Impuls von sophie paulchen: „gefaltete vögel“

(Brennnessel-Haiku)

Der Wind streift umher

am schattigen Waldesrand

wippt die Brennnessel

Unter ‚Haiku‘ versteht man eine antike japanische Gedichtform. Sie entstand vor ca. 400 Jahren. Im Mittelpunkt stehen die Natur, die Jahreszeiten, die Tierwelt etc. Die klassische Form sieht die Benutzung eines sog. ‚Kigo‘ vor; ein Begriff, der klar auf eine der vier Jahreszeiten hinweist.  In der Regel ist ein Haiku dreizeilig und besteht aus der festgelegten Silbenzahl 17. Die Silben werden folgendermaßen auf die  Zeilen verteilt: 5 – 7 – 5.

Die Lektüre und das Schreiben von Haikus finde ich persönlich meditativ. Kleinste Erlebnisse oder Eindrücke gewinnen an Bedeutung und vermitteln tiefe Gefühle.

Das Brennnnessel-Haiku, normalerweise gibt es keinen Titel und deswegen steht meiner auch in Klammern, entstand dieses Jahr im Bregenzerwald, als ich mit meinen „Schreibweiber-Freundinnen“ dort in Ferien war. Ihnen sei das Haiku gewidmet.