frapalymo november 18, „rabe“

der heutige impuls hieß: „gleiche anfangszeile für alle – beginnt eure texte alle mit: „du, weißt du, wie ein rabe schreit“ – der anfangszeile des gedichts „du, weißt du“ von selma meerbaum-eisinger .

 

du, weißt du, wie ein rabe schreit∗

ja, du, ich weiß, wie ein rabe

dort drüben sich wärmend

am kamin von nachbars first

gekrallt

sitzt

aus

seinem gefieder

nebel melancholie verderben

streut

 

du, weißt du, wie ein rabe schreit

wenn Sonne ist?

 

#frapalymo

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reisetipps und ein frapalymo-„haiku“

heute lautete die aufgabe, ein haiku, thema ‚zugvögel‘, zu schreiben. mir kamen die reiher in den sinn, die hier in italien in und entlang der reisfelder zu bewundern sind. lasst mich also zwei meiner blog-kategorien verbinden: reisetipps und gedichte.

mindestens einmal im jahr fahren wir in die provinz novara (piemonte), weil es dort immer am 1. november ein familientreffen gibt. wir fahren aber nicht in die bekannte gegend, die zum lago maggiore gehört, sondern in das reisanbaugebiet  um vercelli. ich liebe es, die landschaft zu betrachten. diese ist einfach nur platt; durchzogen von engen, kurvigen landstrassen, die alte und noch unverfälscht ‚typisch italienische‘ ortschaften verbinden und natürlich zu den gigantischen reisfeldern führen; das ‚karierte meer‘  genannt. unter ‚mare a quadretti‘ findet ihr im internet wunderbare fotos. im frühling und sommer ist es hier herrlich grün und rotgold, aber stickig heiss und im herbst und winter ist es braun, leer, nebelig und eiskalt. gebadet wird in diesem meer bestimmt nicht, wenn, dann findet man abkühlung in den flüssen ticino und sesia oder im badeparadies ondaland. es gibt wenig wald, nur laubbäume, die die strassen und bewässerungskanäle säumen oder die zahlreichen, ziegelsteinrote gehöfte umgeben. bei guten wetter- und windverhältnissen baut sich im norden die fantastische bergkulisse der alpen auf.

sehenswert ist die geschichtsträchtige provinzhauptstadt novara. vercelli ist um einiges kleiner, hat einen, finde ich, gemütlich-pittoresken marktplatz mit einigen guten cafès und ist hüterin des geheimnisvollen ‚vercelli book‘. je kleiner die ortschaften werden, desto länger werden ihre namen und klingen in ‚ausländischen ohren‘  sehr bildhaft: villata, trecate, caresanablot, casalvolone, san nazzaro sesia. im zuletzt genannten ort befindet sich ein kleinods piemonts: die abtei „abbazia dei santi nazario e celso“. und zwischen san nazzaro und villata befindet sich die wallfahrtskirche zur „madonna della fontana“.

und, kommen wir nun endlich zu meinem haiku,  es gibt unzählige (wasser)vögel.

geerntet der reis 

im kanal steht gras und schlick

dort fliegt der reiher

 

p.s.: sollte sich einer meiner leser weder für kultur noch poesie interessieren, darf dieser gerne ein bisschen (window)shopping im outlet village vicolungo machen. es lohnt sich: ich konnte dieses jahr dort den bedarf an winterschuhen für die kinder decken.

#dentrolastatua oder der San Carlone

endlich mal wieder etwas aus der rubrik „reisetipps“.

letztens feierten der mann und ulbarb 21. hochzeitstag.

das wetter war gut, die kids waren in der schule, er arbeitete im homeoffice und ich hatte nur einen abendkurs. so konnten wir uns ein paar nette stunden zu zweit erlauben. wohin?  auswärts essen! ach, komm, wir waren schon lange nicht mehr am lago maggiore!

in angera gingen wir in ein apulisches restaurant.  das schmeckt ungefähr so, als ob du auf einer nordseeinsel sitzen würdest und kässpätzle äßest. das essen war selbstverständlich lecker und reichhaltig und so gingen wir ein paar schritte am seeufer entlang. herrlich ruhige, gelbe stimmung mit blauem hintergrund: wolkenloser himmel im schönsten azzurro, erste bunt gefärbte laubbäume, ein paar boote, das wasser… und keine touristen.

angerauno

Angera, die Kirche am Seeufer

angeradue

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Angera

angeratre

dann fuhren nach arona, also zum gegenüberliegenden ufer; die stadt und den see liessen wir links liegen. uns interessierte die begehbare statue ’san carlone‘. https://www.distrettolaghi.it/de/luoghi/statue-von-san-carlo. die statue liegt auf einer anhöhe und misst 35 meter. auch ohne die statue von innen zu besichtigen,  man bezahlt an einem kassenhäuschen neben dem parkplatz, hat man einen herrlichen blick auf den lago und die berge. aber der clou ist natürlich, diesen koloss von innen zu besteigen. über eine aussen angebaute wendeltreppe kommt man den sockel hinauf, dann führt eine weitere, enge wendeltreppe in den körper der statue hoch. nach einigen metern wird es extrem eng und man muss eine steile stiege hochklettern. dann landet der besucher im hohlen kopf und aus den öffnungen (augen, ohren, mund und nase) hat man einen einmaligen und unvergesslichen blick auf den see und die umgebung. es lohnt sich. im internet steht, dass nach der ‚lady liberty‘ der san carlone die zweithöchste begehbare statue der welt sei. na, das ist doch mal etwas, oder nicht?!

(kleiner tipp: erklettert den heiligen karl nicht im hochsommer. obwohl sich eine kleinere klimaanlage im inneren des monumentes befindet, entwickeln sich hohe temperaturen)

 

sancarlonedodici

sancarlonenove

sancarlonedieci.jpg

 

sancarlonedue

sancarlonequattro

sancarlonesei

sancarlonetre

sancarloneundici

frapalymo november ’17, siebter beitrag

sie trägt diamanten an ihren fingern

der innerliche herbst ist nicht golden

sie trägt diamanten an ihren fingern

 

der impuls heute: „nutzt folgenden tweet als impuls für euren text: „herbstlicht auf den dächern / schatten werden länger / in der brust vogelschwärme*“. der tweet ist von @silemarlin.“

frapalymo november ’17, erster beitrag

„da haben wir uns wieder eingestellt zu einem dichten november, der uns fordern und begeistern, beanspruchen und beherzen wird, der uns kraft kostet und kraft gibt.“ das war sophie paulchens gestriger auftakt zum frapalymo. ich versuche, wieder mitzumachen.

und so lautete der erste impuls: „die erste zeile ist für alle gleich“. beginnt also euer gedicht bitte alle mit der folgenden zeile aus hilde domins gedicht „abzählen der regentropfenschnur“ und lasst euch zu eigenen bildern treiben. die erste ziele lautet: „ich zähle die regentropfen an den zweigen“.

ich habe zu spät erkannt, dass es zu einem mißverständnis zwischen ‚zweigen‘ und ’scheiben‘ gekommen ist. hier mein werk:

 

ich zähle die regentropfen an den scheiben

und schlieren

eingetrocknet und verstaubt

am kellerfenster kleben

ich kratze den holzrahmenlack

dort wo mossweiche dunkelheit nistet.