das ganz persönliche universum

Frauen kreisen

bewohnen Kreise

Mann Haus Arbeit

Arbeit Haus Mann?

mit und oder ohne  Mann

Kinder

Kinder und Kinder

ohne Kinder

ausgehen

Ausgehen und Aussehen

Freundinnen

Frauen leben

leben und empfinden

Frauen bewohnen Körper

Frauen kreisen

Botenstoffe kreisen

 

das ist meine „heimat aus sicht einer frau“ bei sophie paulchen bloggt.

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Weltliches und Religiöses

Meine lieben Leser!

Nun fehlen nur noch wenige Tage, dann ist Weihnachten! Und diese letzte Woche ist reich gefüllt an geschäftlichen Terminen, Klassenarbeiten an den Schulen der Kids, letzten Planungen und Vorbereitungen etc. etc. – wer kennt’s nicht?! Deshalb verschicke ich meine Weihnachtsgrüsse an Euch heute schon mal ab. Möget Ihr feierliche, ruhige, besinnliche, gemütliche Momente haben! Und kommt gut ins Neue Jahr!

Dieses Wochenende war ganz der Familie gewidmet: zuerst  gab es gestern Vormittag an der Schule der kleinsten Tochter ein wunderbares Chorkonzert (u.a. hatten die Sechstklässler ‚Adiemus‘ einstudiert; die langen Proben haben sich ausgezahlt: es wurde zusammen mit einigen Lehrern musiziert und so manche Eltern hatten Tränen in den Augen) . Dann hatten wir Karten für ‚die letzten Jedi‘; aber in was für einem Kinosaal: wir waren in Melzo, dort befindet sich das Arcadia-Kino und der beste Saal ist ’sala energy‘ mit 630 Plätzen, wahnsinnig bequemen Sesseln, einer 30 Meter breiten Kinoleinwand und mit Dolby Atmos Soundtechnik ausgestattet. Keine Sorge, ich werde nicht spoilern… aber Samstagnacht habe ich sehr gut geschlafen… und heute nahm ich mir die Zeit und buk Zimtsterne und Ausstecherle.

Zu unseren Sonntagen gehört auch der Kirchgang, in der Diözese Mailand wird heute der sechste Adventssonntag gefeiert und in unserer Gemeinde werden in diesen Tagen Weihwasser und das Gebet zur Familiensegnung verteilt. So kann man während des  Heiligen Abends  und/oder am ersten Weihnachtsfeiertag seine Familie, Verwandten und Gäste segnen. Das finde ich wunderschön, das eigene Haus wird Kirche. Wir sagen an Weihnachten bewußt ‚Ja‘ zu Gott. Vielleicht erreicht meine Einstellung ja den einen oder anderen Leser.

weihnachten Segnung

Zum Schluss noch ein Winterhaiku, ich finde es verbindet irdische und spirituelle Anteile:

Im weissen Schnee, horch,

Dort haust nur eine Stimme:

Des Winters Andacht

(Ryôta)

 

Seid also alle herzlichst gegrüßt von Eurer ulbarb

 

 

frapalymo november’17, dreiundzwanzigster impuls

 

hier mein componimento zum impuls „schreibt ein gedicht zu ‚zwei nachtstücke zusammenfügen‘ – nach einem tweet von @_unruhe .

 

 

sich fallen lassen können ins dunkle warten auf den traum

nebenan unverständlich kindliches gemurmel

wissen es ist nichts

und mit einem lächeln einschlafen.

 

infolge eines dunklen traums aufwachen

nachtschrecknacht durchstehen

wartend auf das erleichternde erste licht.

 

frapalymo november ’17, fühnzehnter beitrag

ich -still- beobachte

es gedankenverloren spielen

(leben lernen) .

ich -geduldig- weiß

es wird

mit der zeit

so machne

kindheitserinnerung vergessen.

ich – die mutter- nicht:

lebenserfahrung.

 

mein gedicht zum heutigen impuls bei sophie paulchen: „medientransfer musik: schreibt ein gedicht zu diesem stück“.

 

 

 

ernste und komische Betrachtungen über ein Zwergkaninchen

seit etwas mehr als einem monat sind wir besitzer einer lustigen, aufgeweckten und äusserst neugierigen zwergwidderdame names mina. ‚dame‘ ist wohl etwas zu viel gesagt, denn mina ist erst viereinhalb monate alt.

ihr käfig steht bei den mädels im zimmer, so sind die weiber unter sich!

mein mann und ich sind tierlieb (und die kids erst!), als kinder wuchsen wir mit hunden, katzen, hamstern, mäusen und vögeln auf. da wir wissen, wie (zeit-)aufwendig die haltung von haustieren ist, haben wir lange den passenden moment, uns eines anzuschaffen, abgewartet.  nun sind wir zu sechst. und es war nur richtig, endlich ein haustier (die vielen goldfische, die schon im paradies sind, habe ich nicht miteinberechnet) zu besitzen.

die wissenschaftlich belegten vorteile hinsichlich pet-therapy können wir eltern nur bestätigen. unsere kinder, inbesonders die ganz kleine, haben den verlust und die trauer um eine uns sehr nahe stehende person relativ schnell und gut bewältigt. die reine anwesenheit des tiers sorgt für ablenkung.

die kinder haben sich auf die ankunft des neuen familienmitglied supergut vorbereitet, indem sie im internet alle möglichen informationen und tipps recherchiert und gesammelt haben. sie sind in dem alter, dass sie die fütterungszeiten, das säubern des stalles alleine organisieren und den auslauf des tierchens überwachen.

und auch die eltern haben ihren spass und werden jünger! statt ’sinnvolles‘ wie haushalt oder unterrichtsvorbereitung zu erledigen, kann man mich auf dem wohnzimmerboden liegend und kaninchen streichelnd erblicken.

bin ich froh, dass in all den hausfrauenjahren, ich mich standhaft geweigert habe, einen hygiene- und/oder putzfimmel zu entwickeln bzw. den ansatz  eines solchen auszubauen. sonst könnte ich es wohl nicht ertragen, dass nun immer wieder mal ein büschel heu durch die wohnung fliegt (seht ihr vor eurem innerlichen auge die alten cowboy-filme, wo strohballen durchs bild wirbeln?) oder ein knüddel auf dem fussboden liegt.

die mina flitzt nämlich ziemlich schnell durch alle zimmer und wagt es sogar, in den papierkorb, in die badewanne, auf stühle, von diesen auf tische oder in die unteren fächer des bücherschrankes zu springen. und wenn sie hört, dass eine person mit irgendwelchen schachteln oder tüten raschelt oder knistert, rennt sie derjenigen zwischen den beinen umher und denkt, es gäbe ein leckerli für sie. dabei halten wir uns streng an die tierischen ernährungsregeln. aber das tier probiert’s halt trotzdem aus. boh, ist es echt nur ein kaninchen oder steckt da nicht auch etwas von einer katze oder einem hund drinnen?

dann habe ich bemerkt, wie das haustier auch die zweisprachigkeit meiner kinder fördert. anordnungn wie ‚kaninchen füttern‘ oder ‚käfig putzen‘ verstehen sich von selbst. aber bei ’schlappohr‘, ‚hinterlauf‘, ‚mümmelmann‘, ’scharren‘, ’schnüffeln‘, ‚artgerecht‘, ‚kraulen‘ oder ‚zähmen‘ sieht es anders aus; das sind neue worte, die verstanden und verinnerlicht werden wollen.

bleibt nun die frage, ob die zweisprachigkeit auch förderlich für unsere mina ist. sie erkennt uns an der stimme und am geruch, aber es wirken ja unwahrscheinlich viele deutsch-italienische worte auf sie ein. ich  muss mal mit jess telefonieren, die hat einen italienisch-amerikanischen hund zu hause. Mal sehen, wie’s ihrem lampo geht.

hier ein zwar unscharfes foto, das aber den eigenwilligen charakter von mina gut widerspiegelt. die gute frisst nicht im stall, sondern direkt in der heuraufe:

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aus dem zweisprachigen nähkästchen geplaudert (2)

(endlich mal wieder was zum thema „zweisprachigkeit“)

freudestrahlend kehrte letzte woche mein fast siebzehnjähriger sohn aus der schule zurück:“der cazzaniga habe ich es heute aber gezeigt!“

aha, er hatte deutschunterricht.“und, was war denn los?“

„na ja, ich habe eine wette gewonnen, denn sie hat behauptet, dass scoiattolo, ‚rehkitz‘ bedeuten würde, aber ich habe ihr gesagt, dass es „eichhörnchen“ heisst. und die hat sogar die lezione unterbrochen und hat in ihrem tablet nachgeschaut, dann ist es ganz still geworden und sie meinte nur… tja, ich hab’s besser gewusst. dann hat sie gefragt, wieso ich das so genau wisse, und ich habe nur gemeint, dass ich als kind in den deutschlandferien  immer in irgendwelchen tierparks oder im schwarzwald unterwegs war.dann weiss man das sein leben lang!“

hinter dem redeschwall verbarg sich nicht nur der triumph, etwas besser als die prof zu wissen, sondern auch der stolz darauf, zwei sprachen zu beherrschen. der weg dorthin war aber seht steinig.

offen und ehrlich gesagt, kann von ‚beherrschen‘ nicht die rede sein. mein vorhaben, meine drei kinder zweisprachig aufzuziehen, hat nur teilweise funktioniert.

mein sohn, mein erstes kind, kann von allen dreien deutsch am besten:

liegt es daran, dass er während seiner ersten drei lebensjahre seine mutter (damals nicht berufstätig) nur für sich hatte? oder weil er ein neusprachliches gymnasium besucht, an dem er latein, englisch, spanisch und deutsch lernt?

‚die sprache seiner mutter‘ ist aber nicht automatisch seine muttersprache geworden. er definiert sich als italiener. und in italienisch hat er leider auch so seine schwierigkeiten. ich bin nur froh und erleichtert, dass es bei anderen familien, die die zweisprachigkeit praktizieren, auch nicht anders abgeht.

mein sohn war, was die sprachentwicklung anging, recht spät dran und solange er nicht in den kindergarten ging, sprach er „deuliano“, eine bunte mischung aus deutsch und italienisch (grosseltern und babysitter bekamen entsprechende wörterbücher ausgehändigt). diese sprache wurde dann auch noch mit der typischen babysprache eines kindes vermischt (erkläre mir mal einer, wieso er zu keks bzw. biscotto ‚kingi‘ sagte?). der alltag von meinem sohn und mir  war recht international, denn ich hatte bzw. habe viele kontakte mit anderen nicht-italienischen frauen/familien und war lange mitglied in einem club für expats, in dem englisch gesprochen wurde.

dann kam der kindergarten. zuerst verstanden die erzieherin und die compagni den kleinen fast gar nicht, aber nach sechs wochen sprach mein sohn nur noch italienisch, auch mit mir und meiner familie.

in der grundschule hatte er anfangs besorgniserregende schwierigkeiten beim lesenlernen und die ersten (auf-)sätze waren versehen mit deutschen und oder falsch geschriebenen wörtern.und auch die stellung der adjektive, der gebrauch der präpositionen und der satzbau waren katastrophal.  die lehrerinnen waren besorgt, ob das kind nicht eine lernschwäche hätte. ich ließ ihm zeit, wollte abwarten. aber irgendwann saßen mein mann und ich doch beim psychologen einer beratungsstelle. eine lernschwäche liegt nicht vor, und mit der zeit verschwanden unsere probleme. ich denke, dass sich seine schwierigkeiten u.a. auch auflösten,  weil er mit acht/neun jahren eine wichtige, persönliche entscheidung getroffen hatte: eines nachmittages, als wir in der kinderbibliothek in monza waren, las er einen handgeschriebenen zettel vor:“spanische muttersprachlerin erteilt nachhilfeunterricht…“ nach einer kurzen nachdenkpause, kommentierte er :“und ich bin ein italienischer muttersprachler“.

ein stich ins mutterherz! jedoch was sollte ich sagen oder tun?  positiv ist, dass es meinen sohn  bzw. meine kinder nie störte, dass ich mit ihm weiterhin auf deutsch spreche (sie finden es wohl cool, eine etwas andere mamma zu haben).

eine der grundregeln der zweisprachigen erziehung ist, sich mit dem kind exklusiv auf der ‚zielsprache‘ zu unterhalten. leichter gesagt, als getan. meine kids haben sehr schnell begriffen, dass ich zwar mit ihnen deutsch spreche, aber dass ich auch sehr wohl die ‚andere‘ sprache  gut beherrsche. sie hörten und  hören mich doch reden – tagtäglich: mit verwandten, freunden und freundinnen, kollegen, mit der supermarktkassiererin, dem bankangestellten, den nachbarn etc. etc. etc. wir leben nun mal in italien. seltsamerweise hat mein sohn meine fehler, die ich in der italienischen sprache mache, abgekupfert. die zwei töchter nicht. hätte ich mich, in der zeit der sprachentwicklung, dumm stellen sollen? so tun, als ob ich nur meine muttersprache könne? geht doch gar nicht, denn mit meinem mann rede ich auf italienisch. er kann recht gut deutsch, aber, ich wiederhole mich, wir leben nun mal hier.

ein anderes hindernis ist die hausaufgabenbetreuung. ich darf zwar meine kinder mit einem ‚mach‘ mal deine hausaufgaben!‘ anraunzen, aber es ist doch klar, dass ich das einmaleins, die italienischen regionen und provinzen, die verben (ob indicativo oder congiuntivo), geschichtsdaten, chemische formeln etc. auf ihrer ’schulsprache‘ abfrage! ihre lehrer würden eine antwort wie ‚ fünf mal fünf ist fünfundzwanzig‘ weder verstehen noch akzeptieren.

ihr müsst euch das so vorstellen: ihr seid unterwegs und trefft auf eine fünfköpfige familie. alle labern wild durcheinander, alle labern italienisch, nur die eine nicht – und die bin ich. mein mann  und ich stritten uns, als der sohn klein war über  tierlaute oder sirenen. macht der hund nun ‚wauwau‘ oder ‚baubau‘, macht der krankenwagen ‚tatüta-a’oder ‚popi-popi‘?

ab und zu passieren meinem sohn noch lustige versprecher wie ‚polizista‘, ‚deschreibieren‘ oder ‚kaninchenvogel‘; in deutsch ist er klassenbester und in italienisch braucht er halt nachhilfeunterrich. allora, wird schon werden.

 

 

 

 

 

ulbarb, ihr auto und the italian way of driving

hach, der herbst ist da und der sommer archiviert.

eine der schönsten erinnerungen an diese zeit ist mein schwarzwaldausflug mit meinen beiden mädels: über schleichwege ins gutachtal, eine ausgiebige runde durch einen barfußpark (so was gib’t halt nicht in italien, weil die leute hier  so schrecklich zimperlich sind , sprich schizzinosi) und dann noch zum titisee, dort baden gehen und schwimmbad-pommes essen.

und wie bin ich dorthin gekommen? mit meinem fiat.

wollen wir heute uralte vorurteile aus dem weg räumen:

ich fahre einen fiat punto und schon zu zeiten als ich ein kind war, kursierte folgender spruch: fiat gleich fehler in allen teilen.

nichts ist wahr. bei meinem auto handelt es sich um ein modell aus dem jahr 1999 und ich bin immer dort angekommen, wo ich hin wollte. ich hatte nie große probleme; ich bzw. mein wagen wird liebevoll von einem mechaniker gewartet und bisher flutschte er durch den tüv und die abgaskontrollen nur so durch. mein auto hat vier räder, drei türen, keine klimaanlage, ein herausnehmbares radio mit kasettendeck, das meine bänder aus den achtzigerjahren abspulen kann („kein BAP mehr, bitte, mamma!“), elektrische fensterheber und ein paar aufkleber. mein auto und ich sind ein eingefleischtes paar, das die bewältigung der alltagsstrecken (wohnhaus, schulen, arbeit, sportvereine, supermarkt) zackig schafft, aber wir sind auch nach sardinien, nach ligurien, nach deutschland und nach mailand gekommen. ich behaupte mal, dass ich eine recht gute autofahrerin bin, jedoch löst die aufgabe ’nach mailand reinfahren‘ panik aus. gott sei dank gibt es diese neumodischen umweltzonen und der punto und ich dürfen altersbedingt da nicht mehr rein- bzw. durchfahren.

nach deutschland fahren ist ein klacks! ich brauche aufgepumpte reifen, proviant, gute musik („jetzt reicht’s aber mit mike oldfield, mamma, echt!“), verkehrsapps auf dem handy, geduld und etwa sechs stunden. die kids müssen sich nur an eine einzige regel halten („klappe zu, okay!?!“). ich bin wohl so eine art mischung aus abenteuerlustig und naiv  (oder lebensmüde?), denn auch diesen sommer fuhr ich mit den kids hoch. mit voll beladenen kofferraum komme ich mit einer durchschnittsgeschwindigkeit von 60 km/h die straße zum gotthardtunnel hoch. den san bernardino nehme ich nur als ausweichstrecke, falls es stau am gotthard gibt (bin ich eventuell sogar der grund?) und dann auch nur auf der nord-süd-achse.  sonst wird es kritisch…

ich brauch‘ auch keinen navi mehr, nach jahrelangem pendeln ist der zu einer art dekorationsgegenstand geworden. und wenn ich dann nach schaffhausen die a81 hochfahre, bin ich sowieso ‚dahoim‘.

zu meinem punto, mein erstes auto übrigens, kam ich, als ich mitte dreißig war und schon in italien lebte. d.h. ich habe zwar einen deutschen rosa lappen, fahre aber auf italienische art und weise.

und so räumen wir doch gleich mal vorurteil nr. 2 aus dem weg:

italiener sind keine schlechten oder chaotischen autofahrer. sie sind einfallsreich, dreist, flink und äusserst phantasiebegabt.

hier ein kleines beispiel: so sah es anfang diesen jahres an einem verregneten samstagmorgen  auf dem schulhof meines sohnes aus. genial, oder?!?

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man kann die italiani mit spitzbuben à la tom sawyer vergleichen, die aus spaß an der freude versuchen, regeln zu umgehen bzw. zu überschreiten. sie fahren schnell und wendig und  ich als ‚auswärtige‘ muss halt einfach mitmachen, ein stoßgebet sprechen – augen zu und durch- und fein kontrollieren, dass hupe, fern – bzw. abblendlicht und  warnblinker fehlerfrei funktionieren.

ach ja, und am besten nicht als radfahrer, kinderwagenpassagier oder fussgänger am verkehr teilnehmen. risiko pur. wäre ich verkehrsministerin, würde ich alle zebrastreifen knallbunt anmalen, flutlichter aufstellen  und den bürgern gratis nagelsperren verteilen; diese könnten sie dann beim überqueren der strasse links und rechts neben sich auswerfen und die gefahr,  gnadenlos überfahren zu werden, wäre gebannt.

(ich brauche keine nagelsperre, ich habe einen zwei meter großen gentleman als mann. sind wir 5 zusammen unterwegs, wirft sich dieser, tapfer und mit den armen rudernd, auf die strasse und lotst uns von einer strassenseite zur anderen.)

die zwei hindernisse,  um hier als  autofahrerin glücklich zu werden, bestehen in der  kriminalität und  – dieses ewige herumgehupe!!!

punkt eins: mir ist der punto zweimal aufgebrochen worden und ich wurde an einem samstagnachmittag, kurz vor weihnachten, in der tiefgarage eines supermarktes beim verladen von baby und diversen einkaufstüten ausgeraubt: handtasche und mehr als 70 euro einkauf weg!

punkt zwei: tagtäglich werde ich, weil ich versuche, mich an die stvo zu halten, gedrängelt oder ausgelacht, ähem, ausgehupt. am liebsten würde ich mitten auf der strasse anhalten, aussteigen und den hintermann zur schnecke machen.  einmal habe ich das getan: ich war relativ neu in dem dorf, in dem ich jetzt wohne, hatte meine drei dabei und hielt an einem stop-schild an, um in eine stark befahrene durchgangsstrasse einzubiegen. und schon ging die huperei los! ich traute meinen augen nicht, denn im rückspiegel erblickte ich einen krankenwagen (ohne blaulicht) und einen wild herumfuchtelnden fahrer. ich zog die handbremse, stieg aus, plusterte mich auf und schimpfte los: „was bilden sie sich denn ein, soll ich wegen ihnen hier einen unfall bauen, mit kleinen kindern, schön dramatisch, damit sie uns dann vom asphalt kratzen und ins krankenhaus bringen können?! seien sie doch froh, eine leerfahrt zu haben!“

hach, der herbst ist da und der winter kommt bestimmt.

ich wünsch mir viel schnee, denn dann will niemand hier autofahren und die strassen sind so unschuldig weiß! schließlich habe ich meine patente  im febraur in schwäbisch-sibirien gemacht. euch werd‘ ich’s noch zeigen!

 

 

 

 

 

 

italienischer müttermodetrend zum schulbeginn

beginnt in italien die schule, beginnt der herbst.

ich könnte  den satz auch umstellen und sagen: „beginnt der herbst, beginnt in italien die schule“, aber am ende kommt sowieso das gleiche heraus: neun monate stress bis zu den nächsten längeren ferien. vor allem die mamme mit kindern im grundschulalter sind gefordert, denn die strengen aufsichtspflichtregeln sehen vor, dass die kids nicht alleine nach hause gehen dürfen, sondern  von einem erziehungsberechtigten oder einer volljährigen person (der eine vollmacht erteilt wurde und deren personalausweisfotokopie den klassenlehren vorliegt) abgeholt werden müssen.

so ist mein alltag getaktet; es gibt zwei uhrzeiten, an denen ich per forza auf dem schulhof rumstehe: 8.15, wenn ich unsere kleinste, nachdem ich die mittlere in die mittelschule gefahren habe, in die grundschule bringe und 16.20, wenn die schule aus ist und ich die zehnjährige abhole.

na ja, sehen wir’s mal positiv: es ist relativ unwahrscheinlich, dass frauen und mütter in italien frustiert oder depri werden; mindestens zwei mal pro tag musst du vor die tür und wirst unweigerlich  in die schulhofhorde integriert und sozialisiert.

nur, beim dritten kind haste halt mal keine lust mehr; seit 2006 bin ich unterwegs. es reicht mir so langsam und da kam mir dieser survival kit für gesellschaftsunwillige mamas  wie gerufen. und solltet ihr  euch auch in so einer misslichen lage befinden, probiert’s aus:

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grundausstattung:

dunkle sonnenbrille, um blickkontakt zu vermeiden

ohrstöpsel, damit frau nicht dumm angelabert wird und das geschwätz und gejammer der anderen nicht ertragen muss

bequemes schuhwerk, um sich schnell aus dem staub zu machen

ein uraltes handy, als beweis, dass frau in keine whatsapp-gruppe aufgenommen werden kann

(p.s.: danke an ica und silvia)

 

ich muss mal wieder motzen

in italien gibt’s nur die sonne gratis.

so haben auch gute schulnoten ihren preis.

das hat mein sohnemann diesen sommer am eigenen leib erfahren dürfen.

am 8.6. sind die schulferien losgegangen. das neue schuljahr beginnt nun am 12.9.. und wir mussten bis heute abwarten, um zu erfahren, ob ihm drei oder vier jahren zum abitur fehlen; soll heissen, wir wussten bis zum 9.9. nicht, ob er in die elfte klasse seines neusprachlichen gymnasiums versetz wird oder nicht. das zeugnis, es wurde am 18.6. auf der homepage der schule veröffentlicht, fiel nicht gut aus; darauf waren wir vorbereitet, weil mein sohn schwierigkeiten in italienisch hat. der grund ist die zweisprachigkeit, denn für ihn war das in frühen kinderjahren zwar ein natürlicher prozess, aber in der schule fiel/fällt er den lehrern auf, da er z.bsp. satzbaufehler macht, präpositionen falsch verwendet, einen limitierten wortschatz besitzt. mein mann und ich waren auch bei entsprechenden beratungsstellen, um etwaige lernschwächen abzuklären. in italienisch ist er schlecht, da er keine guten aufsätze schreibt. es ist so, als ob er zwei zweitsprachen sprechen würde und nicht zwei muttersprachen. leider kam dieses jahr noch mathe dazu. wie’s halt so läuft: der lehrer sagt, man solle nicht keine sorge machen und dann wurde doch nach unten hin abgerundet.

zu den normalen ferienhausaufgaben kam also noch eine extra portion an arbeit dazu, denn  versetzungsgefährdete (ober-)schüler haben im september nachprüfungen und sind somit gezwungen, den lernstoff aufzuarbeiten. der arme junge hatte gerade mal zeit, sich von dem schock zu erholen – und schon saß er wieder auf dem hosenboden und lernte im juni, im juli, im august.

ich bin im grunde mit der italienischen schule einverstanden. mehr oder weniger. die lehrpläne sind reichhaltig, deren umsetzung jedoch schier unmöglich:  die schulpolitik ist undurchsichtig und kompliziert,  reformen werden dauernd reformiert, der staat hat geld für nichts, viele lehrer sind demotiviert, ihr unterrichtsstil ist oft althergebracht  und lehrer und lerndende sind opfer unmenschlicher notenregelungen. die bestnote hier ist 10, die wird nur an wunderkinder verteilt. 9 und 8 sind also super zensuren, 7 ist okay, 6 entspricht ‚ausreichend‘ und alles ab 5 bis 1 abwärts ist ‚ungenügend‘. ‚mangelhaft‘ existiert nicht. fünfer kann man aber ausgleichen. diese chance hatte mein sohn. und heute morgen, startete ich den pc um kurz nach sieben, um auf der homepage die noten abzurufen. die freude ist groß, es geht weiter, in die 3CL.

ich frag‘ mich, wie mein sohn den druck psychologisch ausgehalten hat. chapeau! am 1.9.,3.9. und 5.9. hatte er die sog. ‚esami di recupero‘.  die warterei auf deren bewertung war schlimmer, als das zeugnis oder die lernerei während der ferien, die doch der erholung dienen sollten! alleine war er nicht. mein mann oder ich fuhren ihn zu seinen terminen. auf dem schulhof ging’s zu wie auf einem rummelplatz. Nein, eher wie auf dem flur einer entbindungsstation: die schüler durften nach drei monaten ihre noten gebären,  freunde und eltern schenkten seelische und moralische unterstüztung und warteten, nervös herumgehend, vor verschlossenen türen.

heute nachmittag verschwand mein sohn mit seinem besten freund (feiern? trinken? who knows?!), währenddessen ich mehr als 300 euro ausgab. einen nachteil hat die versetzung nämlich, denn die bücher fürs neue schuljahr mussten bestellt werden!

auf ein neues!